Freitag, 24. August 2018

Tag

Jeff Tomsics Regiedebüt unterdurchschnittlich zu nennen, fühlt sich harsch an. Tag, eine "faktenbasierte" Komödie über eine Gruppe von Freunden, die noch im Erwachsenenalter Fangen spielen, ist sympathisch und hat das Herz auf dem rechten Fleck. Doch die anregende Prämisse und die legere Gangart haben mit einem unausgereiften Drehbuch zu kämpfen.

Als Inspiration dienten Tomsic und den Autoren Rob McKittrick und Mark Steilen zehn Freunde aus Spokane, Washington: Seit nunmehr 28 Jahren steht für sie der Februar ganz im Zeichen des Fangenspielens. Mit ausgeklügelten Strategien lauert der Fänger seinem Opfer auf, um seine Rolle weiterzugeben; einen ganzen Monat lang ist niemand sicher. Der Artikel über die Tradition, den im Januar 2013 im Wall Street Journal erschien, ging um die Welt.

Was daraus übernommen wurde, ist überschaubar: Mit Ausnahme des Austragungsmonats – Mai statt Februar – wurden das Spiel und seine Rahmenbedingungen beibehalten, ebenso Spokane als Schauplatz und der Umstand, dass die Spielteilnehmer ausnahmslos Männer sind. Die Protagonisten wurden indessen gut 15 Jahre jünger gemacht und in eine wohlbekannte Komödienstruktur eingepasst, die man aus Filmen wie Step Brothers (2008), Role Models (2008) oder Hall Pass (2011) kennt: Wie lassen sich kindliches Vergnügen und erwachsenes Verantwortungsbewusstsein miteinander vereinbaren?

Diese Frage stellt sich in Tag Hogan (Ed Helms), Bob (Jon Hamm), Randy (Jake Johnson) und Kevin (Hannibal Buress). Mit vereinten Kräften wollen sie Jerry (Jeremy Renner), den noch nie gefangenen fünften Spieler im Bunde, in diesem Jahr endlich zum Fänger machen. Viele Gelegenheiten werden sich wohl nicht mehr ergeben, denn Jerry heiratet Ende Mai – und will darum nach 25 Jahren aus dem Spiel ausscheiden.

Es ist dem Film zugutezuhalten, dass er nicht versucht, aus dieser Handlung moralinsaure Lebenslektionen abzuleiten. Zwar feiert er erwartungsgemäss das innere Kind und das jugendliche Ideal von bedingungsloser freundschaftlicher Loyalität; doch es entsteht nie der Eindruck, dass dies auf Kosten des komödiantischen Tonfalls geschieht. Tag weiss, was er ist – die Verfilmung eines herzerwärmenden Softnews-Artikels – und verhält sich entsprechend.

Hogan (Ed Helms, Mitte) spielt mit seinen Freunden jedes Jahr einen Monat lang Fangen.
© 2018 Warner Bros. Ent.
Das Ganze hätte eine wunderbar unterhaltsame Sommerkomödie sein können – wenn das Drehbuch von Rob McKittrick und Mark Steilen denn genügend Lacher enthielte. Hier liegt jedoch der Hund begraben: Wirklich gute Witze sind Mangelware. Solange Slapstick und flapsige Sprüche den Ton angeben, mag Tag halten, was er verspricht; doch es dauert nie lange, bevor die nächste Sex- oder Drogenpointe, die sogar Judd Apatow zu simpel wäre, fallen gelassen wird.

Auch Jeff Tomsics Ausflüge ins Actionkomödienfach sind nicht von Erfolg gekrönt. Jerrys beinahe übermenschliches Talent, sich seinen Fängern zu entziehen, raubt dem Film streckenweise seine emotionale Bodenständigkeit; derweil sein innerer Monolog, den das Publikum während seiner Kampfeinlagen zu hören bekommt, einfach nur lächerlich wirkt. Verschärft wirkt dieses Problem der Künstlichkeit durch den übermässigen Gebrauch von digitalen Effekten – nötig gemacht durch eine Verletzung Jeremy Renners.

So hinterlässt Tag einen zwiespältigen Eindruck. Zum einen besticht er durch seine Menschlichkeit und seine erzählerische Bescheidenheit; zum anderen frustriert er mit seinem Humorverständnis, seiner Unbeholfenheit und seinen verschwendeten Frauenrollen (allen voran Isla Fisher). In Sachen Komödien könnte man es schlechter treffen in diesem Sommer – aber leider auch besser.

★★

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