Freitag, 21. Juni 2019

First Reformed

©A24

★★★★★

"In langen, messerscharfen Dialogen und ruhigen, kargen Einstellungen im nüchternen 4:3-Format – kurz: in protestantischer Schlichtheit – beleuchtet Schraders Quasi-Allegorie die Überschneidungspunkte von Religion, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft und die Ohnmacht des Einzelnen, im Angesicht dieser immensen abstrakten Konstrukte etwas von Bedeutung zu schaffen, ohne dabei einem destruktiven Fanatismus zu verfallen."

Ganze Kritik auf Maximum Cinema (online einsehbar)

Mittwoch, 19. Juni 2019

Brightburn

© Sony Pictures Releasing Switzerland GmbH



"Doch vor lauter Blut vergessen Yarovesky und die Gunns das Potenzial ihrer eigenen Geschichte. Ein böser Superman ist zwar weder im Comic (Overman, Ultraman) noch im Film (Superman III) eine bahnbrechende Neuheit, doch die Idee hätte im Zeitalter des Marvel Cinematic Universe, des DC Extended Universe und des Niedergangs von Amerikas globalem Ruf nicht von der Hand zu weisende Relevanz. Stattdessen gibt sich Brightburn mit den immer gleichen Schockmomenten und einer inkohärenten Charakterzeichnung zufrieden, die eine effektive Genre-Dekonstruktion unmöglich macht."

Ganze Kritik auf Maximum Cinema (online einsehbar)

Freitag, 14. Juni 2019

Rolling Thunder Revue: A Bob Dylan Story by Martin Scorsese

© Netflix

★★★★★

"Dieses vertrackte Spiel mit der Realität, dieses gewollt schludrige Vermischen von Fakt und Fiktion – durchsetzt von atemberaubenden Konzertmitschnitten ("Isis", "The Lonesome Death of Hattie Carroll", "Hurricane") – ist nicht nur ganz im Sinn und Geist der "Rolling Thunder Revue", sondern erkundet auch einen essenziellen Teil von Dylans künstlerischer Persona, der allzu oft von seinen poetischen Qualitäten überschattet wird: das Verwässern, Vervielfältigen und Verneinen der eigenen Identität, insbesondere auf der Bühne."

Ganze Kritik auf Maximum Cinema (online einsehbar)

Sonntag, 9. Juni 2019

Rocketman

Das Kino hat das Musik-Biopic wiederentdeckt: Eineinhalb Jahrzehnte nach den Oscargewinnern Ray (2004) und Walk the Line (2005) – und der erbarmungslosen und scheinbar definitiven Genre-Parodie Walk Hard: The Dewey Cox Story (2007) –, in denen die musikalischen Ikonen der Fünfziger- und Sechzigerjahre zelebriert wurden, sind nun die Popstars der darauf folgenden Generation an der Reihe.

Geändert hat sich nicht viel. Auf der Leinwand besteht eine Musikerkarriere immer noch aus einem ungeahnten Aufstieg, einem drogeninduzierten Niedergang und einem triumphalen Comeback, wobei der künstlerischen Freiheit keinerlei Grenzen gesetzt zu sein scheinen. 2018 avancierte dieses erzählerische Malen nach Zahlen in Form von Bryan Singers miserablem Queen-Vehikel Bohemian Rhapsody zu einem der grossen Kassenschlager des Jahres und wurde aus unerfindlichen Gründen mit vier Oscars betraut.

Entsprechend hoch sind die Erwartungen an Rocketman, das neue Elton-John-Biopic von Dexter Fletcher, der am Ende der Dreharbeiten zu Bohemian Rhapsody auf dem Regiestuhl Platz nahm, nachdem Singer wegen unbefriedigender Arbeitsweise entlassen worden war. Fletchers Film ist tatsächlich besser als Singers Freddie-Mercury-Klamauk – vor allem handwerklich –, doch auch er kann sich nicht aus den klischierten Fesseln des Genres befreien.

Man kann Rocketman aber nicht vorwerfen, dass er es nicht versucht. Die Geschichte des schüchternen Klavier-Wunderkindes Reginald Dwight, das es unter dem Namen Elton John (Taron Egerton) mit Anfang 20 zum bestverdienenden Popstar der Welt bringt, gibt sich alle Mühe, sich nicht mit dem blossen Abhaken biografischer Meilensteine zufriedenzugeben.

Anstatt Johns Hits, deren Texte sein kreativer Partner Bernie Taupin (Jamie Bell) bis heute für ihn verfasst, in repetitiven Studio- und Konzertsequenzen zum Besten zu geben, bedient sich Fletcher beim Stilkatalog des Musicals und verbindet die Songs in aufwändigen, streckenweise hervorragend inszenierten Sing- und Tanzeinlagen ("The Bitch Is Back", "Saturday Night's Alright for Fighting", "Rocket Man") mit wichtigen Stationen im Leben seines Protagonisten. So legt Rocketman eine erfrischende Camp-Sensibilität an den Tag, die Johns schriller künstlerischer Persona zweifellos gerecht wird.

Elton John (Taron Egerton) hat mit dem Preis des Ruhms zu kämpfen.
© Paramount Pictures
Dieses Spiel mit der Konvention kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Fletcher einen ganz und gar gewöhnlichen Film gemacht hat. Abseits der Musical-Einschläge spielen sich in deklamatorischen Dialogen die ewig gleichen Biopic-Dramen ab: Elton verfällt dem Alkohol und den Drogen; er stösst Freunde und Familie vor den Kopf und verschanzt sich in seiner pompösen Scheinwelt; die Qualität seiner Musik leidet; er ist gefangen in einer missbräuchlichen Beziehung mit seinem Manager (Richard Madden).

Das ist alles dermassen bekannt und austauschbar, dass sich irgendwann Langeweile einstellt, woran auch Taron Egertons inbrünstige Darbietung in der Hauptrolle nichts ändern kann. Vielleicht ist es einfach an der Zeit, sich einzugestehen, dass sich die Musik-Biopic-Formel in dieser Form endgültig totgelaufen hat.

★★

Montag, 20. Mai 2019

Stan & Ollie

At first glance, Jon S. Baird's take on the last hurrah of legendary comedians Stan Laurel and Oliver Hardy looks like the kind of pleasantly middle-of-the-road tragicomedy that has become the dominant mode of representing classical Hollywood in the 2010s, from Hitchcock (2012) to Trumbo (2015) – staples of late-summer Oscar buzz, which is unfailingly undone by reliably middling reviews.

But while stylistically, Stan & Ollie is still closer to those offerings – straightforwardly biographical storytelling revolving around engaging lead performances – than to, say, Hail, Caesar! (2016), the Coen brothers' wonderfully strange (and ostensibly fictional) deconstruction of golden-age Hollywood, it is still vastly superior, both as a film and as homage to arguably the greatest comedy double act in history.

Based on an original script by Philomena co-writer Jeff Pope, Stan & Ollie recounts the physically taxing stage tour through Great Britain and Ireland the aging Laurel (Steve Coogan) and Hardy (John C. Reilly) undertook in 1953, as they were waiting for the funding for a late-career movie project to come together.

Baird, who has previously directed the ostentatiously crass Irvine Welsh adaptation Filth (2013), does a commendable job at mostly skirting easy sentimentality and overly explicit emotional manipulation, opting instead for a surprisingly subtle and beautifully tender exploration of friendship, fame, and the looming challenge of sorting out one's private life when one's public life is at an end. The result is a deeply touching translation of the pathos and whimsy of Laurel and Hardy into a biopic narrative that manages to be charmingly funny and, at the same time, heart-wrenchingly elegiac.

In 1953, legendary comedians Stan Laurel (Steve Coogan, right) and Oliver Hardy (John C. Reilly) embark on a stage tour of Britain and Ireland.
© Impuls Pictures AG
In this effort, Baird and Pope are supported by two brilliant performances from Steve Coogan and John C. Reilly, who not only prove themselves master imitators – their arrival at a run-down Newcastle inn is a joy to behold – but who are extremely adept at looking behind their subjects' comedic veneer and uncovering a complex entanglement of emotion. Stan, the comedy artist, is still struggling with his partner's apparent willingness to be a pawn of the studio system; Ollie is questioning the wisdom of still performing given his age and health issues; both men have to come to terms with initially underwhelming crowd sizes and their own status as venerable have-beens.

Stan & Ollie never overplays its hand in these instances but is confident enough in its actors' ability and its own emotional weight to play out these conflicts in understated moments tinged with gentle comedy or – such as in the standout scene where Stan makes a visit to a bedridden Oliver – to stay silent altogether. Along with the elegant borrowing, inserting, and reworking of iconic imagery – most notably the duo's hospital bed routine from 1932's County Hospital as well as the dancing scene from their 1937 feature Way Out West – it's these moments that make Stan & Ollie feel wholly in the Laurel and Hardy spirit.

★★★★

Sonntag, 12. Mai 2019

The Wandering Earth

© Netflix

★★

"Entsprechend besteht The Wandering Earth primär aus grob ausgearbeiteten Figurenschablonen – vom humorlosen Berufssoldaten bis zum designierten Witzbold (gespielt vom sympathischen Mike Sui) –, die zunehmend panisch vage definierte Ziele verfolgen. Derweil fliegen ihnen mit CGI-Eis bedeckte chinesische Metropolen um die Ohren; alle paar Minuten verursacht eine Gravitationsstörung ein Erdbeben."

Ganze Kritik auf Maximum Cinema (online einsehbar)