Tuesday, 20 February 2018

The Post

© Universal Pictures Schweiz

★★★★

"Sonderlich subtil mag der Aktualitätsbezug nicht sein – das Drehbuch steckt voller Dialogzeilen, die aus dem gegenwärtigen Mediendiskurs gegriffen zu sein scheinen –, doch Spielbergs Qualitäten als Geschichtenerzähler und -inszenator bleiben unbestreitbar. The Post ist rasant und intensiv erzählt und ist ein höchst unterhaltsamer Beitrag zum altehrwürdigen Hollywood-Genre des journalistischen Kammerspiels."

Ganze Kritik auf Maximum Cinema (online einsehbar).

Thursday, 15 February 2018

The Disaster Artist

© 2017 Warner Bros. Ent.

★★★

"But while all of this is consistently funny and entertaining, the film's emotional trajectory rings increasingly hollow. After trying its best to capture the erratic essence of Wiseau for most of its runtime, it ultimately reverts back to trying to offer him a straightforward redemption."

Ganze Kritik auf The Zurich English Student (online einsehbar).

Wednesday, 7 February 2018

"The Florida Project": Maximum-Cinema-Vorpremiere

Der Facing the Bitter Truth-Schreiberling führt ein.
© Maximum Cinema / Filmcoopi

Schon zum zweiten Mal hatte ich die Ehre, die Einführung zu einer Maximum Cinema-Vorpremiere zu halten: Nachdem ich im Januar die Zuschauer zu The Killing of a Sacred Deer begrüsste, durfte ich gestern im Zürcher Kino KOSMOS in Sean Bakers The Florida Project einführen. Die Retrospektive lässt sich auf Maximum Cinema nachlesen. Und es geht im gleichen Rhythmus weiter: Am 1. März zeigt Maximum Cinema den grossartigen A Ghost Story im Rahmen einer Spezialvorstellung. Tickets gibt es hier.

Thursday, 1 February 2018

A Ghost Story

© A24

★★★★★

"A Ghost Story geht es um die grossen Themen – Liebe, Tod, Zeit –, was auf den ersten Blick prätentiös wirken mag. Tatsächlich erinnert der Film vorab auch an Werke, die an diesem Anspruch gescheitert sind: Denis Villeneuves Science-Fiction-Drama Arrival (2016) etwa, oder The Tree of Life (2011) und Song to Song (2017) von Terrence Malick. Doch anders als Malick ertränkt Lowery seine Vision nicht in Voiceovern; und im Gegensatz zu Villeneuve erliegt er auch nicht dem Fehlschluss, seine Ideen allzu explizit erläutern zu müssen. Stattdessen belässt er es bei einfachen Szenen, langen, starren Einstellungen, wenigen Worten, expressiv-melancholischer Musik und einem starken Leitmotiv."

Ganze Kritik auf Maximum Cinema (online einsehbar).

Thursday, 25 January 2018

The Florida Project

© Filmcoopi

★★★★★

"Gemacht ist dieses ebenso so schöne wie traurige Stimmungsbild virtuos – erzählerisch, emotional und nicht zuletzt ästhetisch. Wie bereits Tangerine (2015), Bakers schrille, mit einem iPhone gedrehte Komödie über einen Tag im Leben zweier Transgender-Prostituierten in Los Angeles, begeistert The Florida Project mit satten Farben, goldenen Sonnenuntergängen und einem starken Sinn für Bewegung und Kadrage. Dass es bei den Oscarnominationen nur bei der (hochverdienten) Erwähnung von Dafoe blieb, ein Jammer, hat man es hier doch mit einem wunderbaren Gesamtkunstwerk zu tun."

Ganze Kritik auf Maximum Cinema (online einsehbar).

Monday, 22 January 2018

Downsizing

Mit The Descendants (2011) und Nebraska (2013) hat Sideways-Regisseur Alexander Payne zwei der besten amerikanischen Filme dieses Jahrzehnts gedreht. Es waren zwei aufrichtige, emotional komplexe, zärtlich humorvolle Familiengeschichten, die Lust auf regelmässigere Payne-Projekte machten.

Vier Jahre vergingen, bevor der Wunsch erfüllt wurde. In Downsizing widmen sich Payne und Co-Autor Jim Taylor einer Idee, die ihnen schon Mitte der 2000er Jahre gekommen war, sie aus verschiedenen Gründen aber erst jetzt realisieren konnten: eine Science-Fiction-Tragikomödie über eine Welt, in der Menschen geschrumpft werden, um die Natur zu schonen.

Herausgekommen ist ein hochgradig seltsamer Film. Hat man angesichts der "Was wäre, wenn...?"-Prämisse anfänglich noch das Gefühl, einer spielfilmlangen Episode der TV-Serie Black Mirror beizuwohnen, durchläuft das Ganze bis zu seinem Ende dermassen viele Gangwechsel, dass einem lediglich verwirrtes Kopfschütteln übrig bleibt.

Der Held von Downsizing ist Paul (Matt Damon), der sich von der Titel gebenden Verkleinerungskur eine bessere Zukunft für sich und seine Ehefrau Audrey (Kristen Wiig) verspricht. Da man nach besagter Prozedur nur noch zwölf Zentimeter gross ist, sinken die Lebenskosten massiv, was dazu führt, dass sich das Vermögen der Menschen ums Tausendfache multipliziert, sobald sie im Kleinformat angekommen sind. Doch als Audrey in allerletzter Sekunde einen Rückzieher macht, ist Paul klein, allein und bald schon geschieden. So wartet in der Schrumpfmetropole Leisureland kein Luxusleben ohne Arbeit auf ihn, sondern ein deprimierender Bürojob in einem Callcenter.

Bis hierhin sind gut 40 Minuten vergangen – genug Zeit für den Film, die nötige Exposition mit teils ermüdendem Detailreichtum hinter sich zu bringen, unnötige Cameos einzustreuen (Margo Martindale, Neil Patrick Harris, Laura Dern) und lasche Witzchen über Penis- und andere Grössenverhältnisse fallen zu lassen. Auch wird Audrey im Laufe dieses ersten Drittels komplett aus dem Film herausgeschrieben – wobei ihre an sich nachvollziehbaren Bedenken bezüglich des "Downsizings" selbstsicher als bösartiger Verrat an Paul dargestellt wird. Es sind Elemente wie dieses – leichtfertige Ignoranz gegenüber aktueller kultureller Diskurse –, die daran erinnern, dass das Drehbuch zu Downsizing vor mindestens zehn Jahren verfasst wurde.

Paul (Matt Damon, links) hofft auf ein besseres Leben im Kleinformat.
© Paramount Pictures
Wer sich politische und soziale Satire versprach – eigentlich ja die Grundlage von solchen Konzeptfilmen –, wird bis zu diesem Punkt mit einem betrunkenen Pöbler, der das Wahlrecht verkleinerter Menschen einschränken will, abgespeist. Zwar wird dieser thematische Aspekt in der Folge konkreter, wenn auch nicht unbedingt besser.

Denn einige Zeit nach seiner Scheidung von Audrey lernt Paul über seinen partyhungrigen Nachbarn Dušan (ein hoch motivierter Christoph Waltz) die vietnamesische Dissidentin Ngoc Lan Tran (Hong Chau) kennen, die inzwischen ein Dasein als Putzhilfe für reiche Müssiggänger wie Dušan fristet. Durch sie entdeckt Paul die Kehrseite des Leisureland-Überflusses: die Slums, in denen die arme Bevölkerung täglich ums Überleben kämpft.

Hier liegt wohl irgendwo eine Parabel auf die USA und ihren brutalen Umgang mit hispanischen und afrikanischen Immigranten begraben – man denke an Donald Trumps "Shithole countries"-Ausbruch. Doch auch hier bemühen Payne und Taylor die denkbar unglücklichste Art und Weise, sich dem Thema zu nähern: Sie pressen den naiven weissen Mittelständler Paul in einen Handlungsstrang, in dem er im Grunde nichts verloren hat, und verwandeln ihn kurzerhand in einen unentbehrlichen Partner für Lan Tran in ihrer Mission, sich um die kranken und hungernden Menschen im Leisureland-Slum zu kümmern.

Nach seinem "Downsizing" trifft Paul auf Ngoc Lan Tran (Hong Chau), die ihm das Leid hinter der luxuriösen Fassade der Schrumpfstadt Leisureland zeigt.
© Paramount Pictures
Lan Tran wiederum ist eine schrecklich konzipierte Figur – die haarsträubende Karikatur einer Vietnamesin, deren Akzent wiederholt als komödiantisches Stilmittel eingesetzt wird. Letztendlich ist es einzig Hong Chaus grossartige Darbietung, voller Kampfgeist und Intelligenz, die Lan Tran von rassistischer Farce trennt. Für ein Drehbuch ist das in der Regel ein schlechtes Zeichen.

Dieses schickt unsere Helden schliesslich nach Norwegen, um einen Blick auf die zurückgezogen lebende erste Schrumpf-Kolonie der Welt zu werfen. Wenn Downsizing im Laufe des Mittelteils erzählerisch vom Weg abgekommen ist, stürzt er sich hier über die metaphorische Klippe. Bedeutungsschwangere Dialoge über den nahenden Weltuntergang und ein Plädoyer für Aktivismus und gegen Fatalismus treffen auf wunderlich platzierte Versuche, Looney-Tunes-Humor zu adaptieren, sowie weitere Wendungen, die Paul als Protagonisten schlicht disqualifizieren.

Selten liessen sich die positiven Aspekte eines Films so prägnant zusammenfassen, wie es bei Downsizing der Fall ist: Hong Chau, gefangen in einer unwürdig geschriebenen Figur, ist der einzige nennenswerte Lichtblick in einem überlangen, unfokussierten, von A bis Z fehlgeleiteten Projekt. Es ist mit grossem Abstand der bisherige Tiefpunkt in Alexander Paynes Karriere.