Thursday, 18 December 2014

The Hobbit: The Battle of the Five Armies

Diese Kritik erschien zuerst in gedruckter Form in der Wochenzeitung Heimat.

Die Höhen seiner Lord of the Rings-Trilogie vermochte Peter Jacksons The Hobbit-Reihe nie ganz zu erreichen. Doch nun, da mit The Battle of the Five Armies auch dieses Kapitel Filmgeschichte stimmig zu Ende geht, bleibt die Erkenntnis: Spuren hinterlassen hat auch diese Reise nach Middle-earth.

Noch bevor sich der friedliebende Hobbit Bilbo Baggins (Martin Freeman) in The Hobbit: An Unexpected Journey (2012) aufmachte, um mit einer Kompanie von 13 heimatlosen Zwergen unter der Führung von Thorin Oakenshield (Richard Armitage) gen Osten, in Richtung der vom Drachen Smaug (Benedict Cumberbatch) besetzten Zwergenfestung Erebor zu ziehen, fragte er seinen alten Freund, den mächtigen Zauberer Gandalf (Ian McKellen): "Can you promise that I will come back?" Gandalf, immer ehrlich und unverblümt, antwortete: "No. And if you do, you will not be the same." Er sollte Recht behalten: Als Bilbo am Ende von The Battle of the Five Armies die Grenze zu seinem heimischen Shire wieder überquert – hinter ihm Begegnungen mit tollpatschigen Trollen, verwunschenen Riesenspinnen, finsteren Waldelben, bösen Orks und einem blutrünstigen Drachen –, findet er eine beschauliche, allzu bekannte Welt vor, aus der er, so die subtile Andeutung, im Laufe seiner Abenteuer in An Unexpected Journey, The Desolation of Smaug (2013) und Battle herausgewachsen ist. Mehr noch als die Rückkehr seines Neffen Frodo in The Lord of the Rings: The Return of the King (2003) widerspiegelt Bilbos Erfahrung die seines Publikums, welches nun, 13 Jahre nach der Premiere von Peter Jacksons erster Filmadaption von J. R. R. Tolkiens literarischem Middle-earth, aller Wahrscheinlichkeit nach endgültig vor dem Ende einer Ära steht. Man mag von den beiden Fantasy-Trilogien halten, was man will – sie beide haben das moderne Blockbuster-Kino auf ihre Weise beeinflusst. (Ob The Hobbit mit seiner bisweilen irritierend hyperrealistischen High-Frame-Rate-Technik ein technisches Erbe zurücklässt, wird sich weisen.) 

Fans werden in The Battle of the Five Armies mit einem würdigen, sich augenscheinlich seiner eigenen Gravitas bewussten Abschluss belohnt, welcher zugleich geschickt die Brücke zum 60 Jahre später spielenden Lord of the Rings schlägt und die bewährten Versatzstücke des Tolkien-Kanons noch einmal aufleben lässt – von Figuren wie Saruman (Christopher Lee), Elrond (Hugo Weaving) und Galadriel (Cate Blanchett) über den berühmt-berüchtigten Adler-Deus-ex-machina bis hin zu den jeder Beschreibung spottenden Fähigkeiten des Elben Legolas (Orlando Bloom). Über den Abspann läuft das unweigerlich melancholische stimmende Lied "The Last Goodbye", geschrieben und gesungen von Billy Boyd, welcher in Lord of the Rings selber einen Hobbit mimte.

Wahnsinn unter dem Berg: Hobbit Bilbo (Martin Freeman, rechts) versucht vergebens, den vom Goldwahn besessenen Zwergenkönig Thorin Oakenshield (Richard Armitage) vom Krieg gegen Menschen und Elben abzuhalten. 
© 2014 Warner Bros. Ent.
Doch der dritte Hobbit-Teil weiss auch abseits seiner weiter reichenden Bedeutung zu überzeugen, angefangen mit seiner mitreissenden Startsequenz, in welcher der ehrenwerte Mensch Bard (Luke Evans) dem üblen Smaug noch vor der Titelnennung den Garaus macht. Nach dem Tod des Drachen beginnt der Kampf um die Schätze von Erebor: Zwergenkönig Thorin, vor lauter Goldgier an den Rand des Wahnsinns getrieben, verschanzt sich mit Bilbo und seinem Gefolge hinter den Mauern seiner Festung; Elbenkönig Thranduil (Lee Pace) verbrüdert sich mit Bard, um sich seinen Anteil am Zwergengold zu sichern; derweil die Orks, entsandt von Sauron (Benedict Cumberbatch), gleich mit zwei Heeren nach Erebor marschieren. 

Aus dieser Ausgangslage holt Jackson, unter tatkräftiger Mithilfe von Howard Shores Musikscore, Andrew Lesnies Kameraarbeit und den kreativen Köpfen des CGI-Departements, sowohl aufregende Action-Momente als auch Szenen voller betörenden Pathos und bewegender Emotionalität heraus. Und selbst wenn The Battle of the Five Armies hie und da ins Überzeichnete kippt, bleibt er doch stets ein berauschendes Fantasy-Abenteuer höchsten Grades, der dazu einlädt, wieder ganz am Anfang zu beginnen. Middle-earth erwacht noch ein letztes Mal zum Leben – das muss man erlebt haben. 

★★★★½

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