Thursday, 8 August 2013

Gambit

Diese Kritik erschien zuerst in gedruckter Form in der Wochenzeitung Region.


Inspiriert von Ronald Neames Komödie Gambit aus dem Jahr 1966, leitete Produzent Mike Lobell 1997 ein Remake unter gleichem Titel in die Wege. Nach etlichen durch Neubesetzungen und -fassungen verursachten Verzögerungen kommt der Film nun in die Kinos. Das Warten hat sich nicht gelohnt.

Das Sprichwort "Zu viele Köche verderben den Brei" trifft gerade in des Öfteren zu. Ist ein Projekt erst einmal in der sogenannten "Development hell" gefangen, der Entwicklungshölle, in der beraten, neu aufgesetzt und fieberhaft nach interessierten Autoren, Regisseuren und Darstellern gesucht wird, besteht selten Hoffnung auf Rettung. Die wenigsten Filme, welche nach dieser Tortur überhaupt noch realisiert werden, vermögen zu überzeugen. Dies gilt auch für Gambit, mit dem, bevor Michael Hoffman (A Midsummer Night's Dream, The Last Station) als Regisseur übernahm, eine Vielzahl von Namen verbunden wurden. So unterschiedlichen Filmemachern wie Alexander Payne, Mike Nichols, Anand Tucker, Bo Welch, Richard LaGravenese, Doug Liman und sogar Robert Altman wurde der Platz auf dem Regiestuhl angeboten; Prominente wie Reese Witherspoon, Ben Kingsley, Jennifer Aniston, Gerard Butler, Hugh Grant und Sandra Bullock wurden in verschiedenen Projektstadien als Darsteller gehandelt. Am Drehbuch waren neben Mike Lobell, Aaron Sorkin und Frank Cottrell Boyce auch die Brüder Joel und Ethan Coen (Fargo, The Big Lebowski, No Country for Old Men) beteiligt, deren Namen nun das Poster schmücken.

Doch die Frage drängt sich auf, wie viel von Gambit tatsächlich aus der Feder der beiden Meister des absurd-schwarzen Humors stammt. Berichten zufolge soll nämlich Interimsregisseur LaGravenese viele ihrer – vom späteren Hauptdarsteller Colin Firth damals für "brillant" befundenen – Änderungen rückgängig gemacht haben, darunter etwa die Entscheidung, die Handlung des Films, der mittlerweile nur noch marginal mit Ronald Neames Original zusammenhängt, von Grossbritannien in die USA zu verlegen. Davon abgesehen, fehlen dem Skript über weite Strecken der hintersinnige Biss und der Sinn für Subversion, was die Komödien der Coens – auch die unterbewerteten Intolerable Cruelty und The Ladykillers (auch ein Remake) – stets ausgezeichnet hat. Verblieben sind diese Tugenden allenfalls in der angedeuteten, aber nie voll ausgeschöpften Vielschichtigkeit der weiblichen Hauptfigur oder den japanischen Geschäftsmännern, deren Bekräftigung westlicher Vorurteile reine Verhandlungsstrategie ist ("Time to bust out the zen").

Kurator Harry Deane (Colin Firth) spannt das Cowgirl PJ (Cameron Diaz) ein, um einen arroganten Milliardär zu betrügen.
© Ascot Elite
So wurde aus einer einst durchaus attraktiven Affiche einer jener müden Komödien-Versuche, in denen Innovation rar ist und echter Witz nur sporadisch aufblitzt, ein schnell vergessenes Werk im Stile von Dan Mazers I Give It a Year oder Justin Zackhams The Big Wedding. Der Plot, zusammengesetzt aus fragwürdigen Motivationen und versandenden Szenarien, dreht sich um den Londoner Kurator Harry Deane (Colin Firth), der mit Hilfe eines Hobby-Künstlers (Tom Courtenay) seinen unausstehlichen Chef Lionel Shabandar (Alan Rickman) betrügen will, indem er ihm einen gefälschten Monet unterjubelt, den er angeblich im Wohnwagen des Cowgirls PJ (Cameron Diaz) gefunden hat.

Der Geist der Gebrüder Coen ist immerhin in Form der grundlegenden Struktur spürbar, welche dem Ganzen Harrys Vision des perfekten Plans voranstellt und in den darauf folgenden 75 Minuten zeigt, wie die Realität vom eben nur scheinbar einfachen Konzept abweicht. Das Coen-Œuvre ist gespickt mit misslungenen Plänen, deren Ziel das schnelle Geld ist – von Raising Arizona, Fargo und The Big Lebowski bis The Man Who Wasn't There, The Ladykillers, No Country for Old Men und Burn After Reading. Doch hier fehlen neben einem klar ersichtlichen Motiv auch die Feinheiten von Harrys Fischzug. Shabandar wird basierend auf einer knapp zehnsekündigen Rückblende und den offenkundig übertriebenen Fantasien von Harry zum berechtigten Opfer erklärt, während die finale "Wendung" – so einfach wie geistlos – blosse Improvisation als einen alles überragenden Masterplan zu tarnen versucht. Erzählt wird diese unspektakuläre Räuberpistole mit einem entschiedenen Mangel an Witz und Dynamik; einzig die engagierten Darbietungen von Colin Firth und Cameron Diaz sorgen für vereinzelte humoristische Lichtblicke. Zu retten ist dieser verdorbene Brei allerdings nicht.

★★½

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