Friday, 19 July 2013

Despicable Me 2

Für jene zumeist jüngeren Zuschauer, welche 2010 dem Debüt des Illumination-Entertainment-Studios, Despicable Me von Pierre Coffin und Chris Renaud, dazu verholfen haben, sich an den Kinokassen neben Toy Story 3 behaupten zu können, dürfte das neu erschienene Sequel genau das bereit halten, was sie sich erhofft haben. Riskiert wird in Despicable Me 2 nichts; Renaud, der nach dem völlig missratenen The Lorax gut daran tut, sich von Adaptionen fernzuhalten, und Coffin sowie die Autoren Ken Daurio und Cinco Paul filmen nach Zahlen und sind sichtlich darum bemüht, jene Elemente in den Vordergrund zu rücken, welche sich vor drei Jahren als besonders rentabel erwiesen haben.

Entsprechend wirkt diese Fortsetzung wie eine aufgeblähte Best-of-Sammlung der populärsten Figuren-Manierismen des ersten Teils. Die Geschichte um den zum hingebungsvollen Adoptivvater gewordenen Bösewicht Gru (Stimme: Steve Carell), der mit Hilfe der tollpatschigen Geheimagentin Lucy (Kristen Wiig) einen unbekannten Superschurken ausfindig machen soll, ist noch dünner als die des Originals und dient lediglich dazu, Gru, seine kleinen gelben "Minions" (gesprochen von Coffin und Renaud), Töchter Margo (Miranda Cosgrove), Edith (Dana Gaier) und Agnes (Elsie Fisher) in Situationen zu versetzen, die zu schnellen Lacher verleiten.

Dabei werden die ohnehin nur spärlich vorhandenen Charakterzüge der Figuren noch weiter reduziert, während das Geschehen um sie herum ausladender, lauter und explosiver wird. Während Agnes sich mittlerweile nur noch durch ihre obsessive Natur auszeichnet – vermutlich dank der Beliebtheit ihrer "It's so fluffy"-Linie in Despicable Me, wirft sich die vernünftige Margo plötzlich stotternd dem erstbesten Schönling gleichen Alters an den Hals; derweil Edith, dramaturgisch das fünfte Rad am Wagen, beinahe unsichtbar wird, wäre ihr nicht eine unerklärte, aber angesichts ihrer Abwesenheit passende Faszination mit japanischer Ninja-Kultur angedichtet worden.

Auf ihre Kosten sind nun die Minions ins Rampenlicht gerückt, welche 2014 in ihrem eigenen Langspielfilm agieren werden. Ob Illumination Entertainment sich mit dieser Entscheidung einen Gefallen getan hat, bleibt abzuwarten, sind die inkompetenten Helferlein, offenkundig angelehnt an Pixars Plüsch-Ausserirdische aus der Toy Story-Franchise, doch grundsätzlich eindimensionale Konstrukte mit einem Repertoire von zwei Witzen – ihrer aus Französisch, Englisch, Italienisch und Spanisch zusammengesetzten Kauderwelsch-Sprache und ihre unbeholfenen Fehden untereinander. Eine abendfüllende Plattform dürfte die Kapazität der Minions-Possen überstrapazieren.

Superschurke Gru (Stimme: Steve Carell) muss mit Agentin Lucy (Kristen Wiig) einen neuen Bösewicht ausfindig machen – in einem Shopping Center.
© Universal Pictures
Trotzdem tragen auch sie mit vereinzelten Momenten der Slapstick-Inspiration zum unzweifelhaften Unterhaltungswert von Despicable Me 2 bei. Zwar ist der Humor an vielen Stellen entlang der Altersgrenzen konzipiert – Minions, Furzgewehre und Tanzeinlagen für Kinder, Anspielungen (darunter, kurioserweise, The Love Boat) und "erwachsener" Humor für Zuschauer über dem zwölften Lebensjahr –, doch da der Film keinerlei Risiken eingeht, liegt er qualitativ auch nicht weit hinter seinem insgesamt recht amüsanten Vorgänger zurück. Beträchtlichen Anteil daran haben einmal mehr die prominenten Synchronsprecher, welche auch in kleineren Nebenrollen zu gefallen wissen, so etwa Russell Brand als Bösewicht-Assistent Dr. Nefario oder Kristen Schaal in einer für sie durch und durch untypischen Rolle.

Getragen wird der Film letztlich aber von Steve Carells Gru, einer starken Figur, herausragend verkörpert, und Kristen Wiigs Sonderling Lucy, die, ganz im Stil von Sally Hawkins in Happy-Go-Lucky, das Kunststück vollführt, dem Kinogänger nach anfänglichen Irritationen allmählich ans Herz zu wachsen – ohne ihr Wesen erkennbar zu verändern. Es ist ein Schimmer von Menschlichkeit, der Despicable Me 2 andernorts fehlt, weshalb er, wie schon Teil eins, nicht lange im Gedächtnis haften bleiben wird. Dennoch gibt es mühseligere Arten, einen Nachmittag zu füllen.

★★★½

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