Thursday, 28 November 2013

The Hunger Games: Catching Fire

Diese Kritik erschien zuerst in gedruckter Form in der Wochenzeitung Heimat.


Die Verfilmung des zweiten Teils von Suzanne Collins' Hunger Games-Jugendbuch-Trilogie wartet mit einem neuen Regisseur, zwei neuen Autoren sowie dem doppelten Budget des ersten Eintrags auf. Doch wie bereits dieser fordert auch Catching Fire die gängigen Blockbuster-Konventionen heraus.

Panem, gelegen im Nordamerika einer unbestimmten Zukunft, ist zu Beginn von Collins' Roman The Hunger Games (2008) und Gary Ross' gleichnamiger Filmadaption (2012) eingeteilt in zwölf Distrikte, welche vom dekadenten "Capitol" unterjocht werden. Eingeschüchtert wird die Bevölkerung durch die alljährlichen Hunger Games, ein live im Fernsehen übertragenes Sportereignis, in dem sich 24 Teenager – zwei pro Distrikt – so lange bekämpfen, bis schliesslich der letzte Überlebende als Sieger von dannen zieht. Doch im ersten Trilogieteil, im Laufe der 74. Hungerspiele, erhält die strikte Ordnung Risse: Die "Tribute" aus dem ärmsten aller Distrikte, Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) und Peeta Mellark (Josh Hutcherson), umgehen die Spielregeln so, dass sie zu gemeinsam Siegern erklärt werden.

Dieser Akt der Auflehnung hat Konsequenzen: In Catching Fire gärt es in den Distrikten. Um einer Revolution vorzubeugen, zwingt Panems Präsident Snow (Donald Sutherland) Peeta und vor allem Katniss, das inoffizielle Gesicht des Widerstands, dazu, sich als Freunde des Capitols zu zeigen. Als dies seine Wirkung verfehlt, greift Snow zu einem Trick, um die Macht von Katniss und ihresgleichen zu brechen: Zum 75. Jubiläum der Spiele werden die Teilnehmer nicht aus dem Fussvolk ausgelost, sondern aus den bisherigen Siegern. Katniss und Peeta kehren in die Arena zurück.

Will man dem dichten Plot des Hunger Games-Mittelstücks gerecht werden, drängt sich eine detaillierte Einführung – in die Prämisse von Suzanne Collins' Universum einerseits, in die Sachlage der ersten Fortsetzung andererseits – nachgerade auf, gerade weil eine der Stärken von Catching Fire, auf Papier wie Zelluloid, das Vertiefen von Aspekten des ersten Teils ist. Gary Ross schaffte es in The Hunger Games, die beklemmend unmittelbare Atmosphäre von Collins' Roman mit viel Verve auf die Leinwand zu transponieren; in Catching Fire spitzt sich diese Atmosphäre, analog zur Eskalation der Lage in Panem, unter Regisseur Francis Lawrence sowie den oscarprämierten Skripteuren Simon Beaufoy (Slumdog Millionaire) und Michael Arndt (Little Miss Sunshine), zu.

Auf ihrer Siegestour müssen die Hunger-Games-Überlebenden Katniss (Jennifer Lawrence) und Peeta (Josh Hutcherson) Propaganda für die Capitol-Diktatur machen.
© Impuls Pictures AG
Vermittelt wird dies aber nicht, wie man es von einem Projekt dieser Grössenordnung erwarten würde, mit einer höheren Dichte an effekthascherischen Actionszenen (wobei die Action, wenn sie eintritt, äusserst gekonnt inszeniert ist) oder einem Hang zu übertriebenem Pathos. Catching Fire ist ein Blockbuster, der sich dem Stigma des Wortes als Synonym für sinnleeren Kintopp widersetzt. Einfache Antworten und austauschbare Selbstzweck-Unterhaltung finden ebenso wenig statt wie das Anbiedern an jene Fans der Franchise, welche darauf beharren, darin nichts anderes als eine Dreiecks-Liebesgeschichte zwischen Katniss, Peeta und dem rebellischen Gale (Liam Hemsworth) zu sehen – wenngleich der Film stellenweise zu stark auf dieser Konstellation verweilt. Lawrence, Beaufoy und Arndt verstehen den seriösen Subtext von Collins' Büchern und widmen gut zwei Drittel der Laufzeit der Darstellung des Orwell'schen Überwachungsstaates Panem, welcher sein Volk mit belangloser Glamour-Berichterstattung gefügig macht, es mit Sonderberichterstattungen über die Garderobe von Katniss und Peeta von den echten Problemen abzulenken versucht. Catching Fire ist intelligenter und schärfer als man es einer Hollywood-Grossproduktion gemeinhin zutrauen würde; er verlangt einen aktiven und aufmerksamen Zuschauer, der bereit ist, sich mit der gewichtigen Materie auseinanderzusetzen. Ein "Blockbuster", der dies voraussetzt, macht Hoffnung.

★★★★★☆

1 comment:

  1. Kann ich so unterstreichen, der Film hat mir sehr gefallen und kann jetzt kaum auf den (die) 3ten Teil(e) warten

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