Thursday, 5 September 2013

Planes

Diese Kritik erschien zuerst in gedruckter Form in der Wochenzeitung Region.

Die Cars-Franchise, insbesondere der 2011 erschienene zweite Teil, gilt gemeinhin als wunder Punkt in der Pixar-Filmografie. Nun erreicht mit Planes ein Spin-off die Kinos, welches von der berüchtigten Sequel-Schmiede DisneyToons produziert wurde. Es ist besser, als man es hätte erwarten dürfen.

Originalität ist allerdings nicht die Stärke des Films. Gerne skizziert man Plots mit Verallgemeinerungen wie "Ein Aussenseiter vom Land folgt seinem Traum und erhält die Chance, seine Leidenschaft auf der grossen Bühne auf die Probe zu stellen, wo er prompt reüssiert und seine Spötter Lügen straft". Planes lässt sich jedoch tatsächlich auf diese Vereinfachung reduzieren. TV-Regisseur Klay Hall (The Simpsons, King of the Hill) liefert in seinem zweiten Langspielfilm (der erste war das DisneyToons-Feenabenteuer Tinker Bell and the Lost Treasure) nach einem Drehbuch von Jeffrey M. Howard eine Aufsteigergeschichte nach Schema F: In der Welt von Cars, welche ausschliesslich von beseelten Fortbewegungsmitteln (Autos, Schiffe, Züge und natürlich Flugzeuge) bevölkert wird, träumt Dusty (Originalstimme: Dane Cook), ein Sprühflugzeug mit Höhenangst, davon, an einem Rennen um die Welt teilzunehmen. Dieses Ziel erreicht er zwar mit Hilfe seiner Freunde – einem Weltkriegsbomber (Stacy Keach), einem Tanklaster (Brad Garrett) und einem Gabelstapler (Teri Hatcher) –, doch die Erdumrundung birgt Gefahren in Form von Stürmen und tückischen Gebirgszügen sowie hinterhältigen Rivalen, etwa dem amtierenden Champion Ripslinger (Roger Craig Smith).

Nein, Überraschungen hält Planes fürwahr kaum bereit. Auf seiner Reise muss Dusty seine Akrophobie überwinden, um sein Potential erfüllen zu können; er findet neue Verbündete (darunter Bulldog, ein unverwüstliches britisches Postflugzeug, gesprochen von John Cleese) und verliebt sich sogar; derweil die Beziehung zwischen ihm und seinem Mentor durch dessen Lügen über seine Vergangenheit einen herben Dämpfer erhält. Die Stippvisiten in Ländern wie Deutschland, Indien oder Nepal wiederum erschöpfen sich im obligaten Abhaken aller erdenklicher kultureller Stereotypen. Am Ende steht eine aufgepfropfte "inspirierende" Moral.

Sprühflugzeug Dusty (Dane Cook) tritt zu einem Rennen um die Welt an.
© Disney
Doch obwohl dem Film nahezu jede dramatische Spannung fehlt, rehabilitiert er sich zumindest teilweise mit den Qualitäten, die ihm sein enger Rahmen erlaubt. So erweist sich etwa eines der primären Probleme des Cars-Universums, das beschränkte Angebot an erzählerischen Möglichkeiten – Verkehrsmittel als Figuren verunmöglichen stationäre, fokussierte Szenarien –, als Segen, da die häufigen Schauplatzwechsel die Trägheit der Geschichte kompensieren. Langeweile stellt sich trotz der vorhersehbaren Wendungen nie ein. Zu verdanken ist dies auch einem gesunden Mass an gelungenen Witzen – neben den unvermeidlichen Versuchen, Kinder mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner anzusprechen –, augenzwinkernden Ergänzungen zu Pixars Konzeption der Maschinenwelt (Segelflieger als Möwen, Traktore als Kühe) und Animation auf einem für DisneyToons ungewohnt hohen Niveau.

In einem Punkt aber bleibt Planes der Firmen-Philosophie treu: Was Howard und Hall hier auf die Leinwand gebannt haben, ist weniger ein Produkt kreativen Schaffens als eine nicht sonderlich subtile Marketing-Aktion, deren Erfolg nicht nur an der Anzahl verkaufter Kinokarten, sondern auch an der Menge abgesetzter Happy-Meal-Spielzeuge gemessen werden wird. Man muss diese auf schnelles Geld ausgerichtete Strategie nicht gut heissen oder gar unterstützen; doch sie hat zweifelsohne schon zu schlechteren Filmen geführt.

★★★½

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