Thursday, 22 December 2011

Mission: Impossible – Ghost Protocol

Diese Kritik erschien zuerst in gedruckter Form in der Wochenzeitung Region.

Die Mission: Impossible-Reihe steht für verlässliches Popcorn-Actionkino mit Explosionen und Schiessereien zuhauf. Dieser Formel wird auch im vierten Teil mit dem klingenden Titel Ghost Protocol gefrönt. Regie führte der Animationsfilmkünstler Brad Bird.

Ein Team der IMF (Impossible Mission Force) erhält den Auftrag, Abschusscodes für russische Nuklearraketen zu stehlen. Während die Agenten Benji Dunn (Simon Pegg) und Jane Carter (Paula Patton) in Beobachtungsposition sind, kämpft Agent Hanaway erfolgreich gegen seine Verfolger – bis ihn die Killerin Moreau (Léa Seydoux) ausschaltet. Die Codes befinden sich nun in Feindeshand, also wird Agent Ethan Hunt (Tom Cruise) reaktiviert, um sie zurückzuholen. Die Mission führt in den Kreml, wo ihnen aber ein Mann mit dem Decknamen "Cobalt" (Michael Nyqvist) auflauert. Dessen Ziel ist ein globaler Atmokrieg, wobei ihm die IMF natürlich im Weg ist. Also jagt er einen Teil des russischen Regierungsgebäudes in die Luft und hängt die Tat Ethan, Benji und Jane an, woraufhin die amerikanische Regierung das "Ghost Protocol" einleitet und die Existenz der Impossible Mission Force verleugnet. Das Trio entkommt dank ihres Chefs (Tom Wilkinson) knapp der Festnahme und muss nun – mit Hilfe des Analysten William Brandt (Jeremy Renner) – versuchen, seine Unschuld zu beweisen.

Voller Körpereinsatz: Agent Ethan Hunt (Tom Cruise, oben) lässt sich bei einer Verfolgungsjagd auch von einem Sandsturm nicht aufhalten.
In den Mission: Impossible-Filmen hatten namhafte Regisseure stets die Gelegenheit, sich frei zu entfalten und auszutoben. Brian De Palma nahm diese Chance im ersten Teil (1996) wahr; ihm folgten John Woo (2000) und J.J. Abrams (2006). In deren Fussstapfen trat nun Brad Bird, der wie Abrams vor fünf Jahren hier sein angestammtes Gebiet verlassen musste. Abrams arbeitete vor Mission: Impossible III nur fürs Fernsehen; Bird hatte vor Ghost Protocol noch nie mit Realspielfilmen zu tun. Doch der Kopf hinter genialen Trickfilmen wie The Incredibles, Ratatouille und The Iron Giant meistert die Herausforderung mühelos. Sein Beitrag zu einer der erfolgreichsten Franchisen Hollywoods ist ein knallbunter Actionfilm erster Güte. Bird bietet dem Zuschauer packende Szenen, aufregende Ausgangslagen, atemberaubende IMAX-Bilder und – nicht zuletzt – einen genüsslich selbstironischen Tonfall, der aber der Spannung des Ganzen keineswegs abträglich ist.

Selbstverstädnlich ist Mission: Impossible – Ghost Protocol nicht sonderlich tiefgründes Kino. Aber als blosse Actionposse macht der Streifen genau das, was das Genre erfordert: Er unterhält vorzüglich. Die IMF-Agenten operieren mit verblüffender futuristischer Ausrüstung, die natürlich in den unpassendsten Momenten den "Geist" aufgibt. Es gibt Kletterpartien am Burj Khalifa in Dubai, dem höchsten Gebäude der Welt, zu bestaunen; die Witze sind lustig; und die Schauspieler hatten offensichtlich Spass an der ganzen Sache.

Ist Mission: Impossible – Ghost Protocol ein plausibles Stück Film? Überhaupt nicht. Aber der Streifen weiss, was er ist, und versucht sich nicht an kruden Moralbotschaften und gestellter Gesellschaftskritik wie viele seiner Genrekollegen heutzutage. Brad Birds erster Realspielfilm ist ein auf seine Art nostalgischer Action-Reisser – sogar mit aussterbenden Stilmitteln wie Vorspann und Pyrotechnik – und bietet für zwei Stunden Top-Unterhaltung. So muss es sein.

★★★★½

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