Monday, 6 October 2008

Pineapple Express

3.5 Sterne

Die Kinos werden zurzeit mit Judd-Apatow-Filmen regelrecht zugemüllt. Nun steht wieder ein Projekt des Comedy-Übervaters an, bei welchem er produzierte und mitschrieb. Pineapple Express ist ein Film in der Tradition von Superbad - er befasst sich mit einem aktuellen Thema und beleuchtet es von einer ungewöhnlicher Seite. Das gelingt zwar ganz gut, scheitert aber teilweise an der eigentlichen Grundidee.

Der Name Pineapple Express rührt von einem Windsystem her, das an der kalifornischen Küste jeweils für viel Regen und hohe Wellen sorgt. Damit hat der Film Pineapple Express aber mitnichten etwas zu tun. Es geht ums Kiffen, mehr nicht. Die Hauptfigur ist ein Loser, der sich den ganzen Tag Joints reinzieht - sogar während der Arbeit. Er wischt die Einwände anderer Personen, er zerstöre mit dem Stoff seinen Körper und damit sein Leben, einfach weg und steckt sich grinsend die nächste Tüte an. Der Film von David Gordon Green verherrlicht das Schwelgen im süsslichen Qualm keineswegs, vielmehr wird aufgezeigt, wozu bekiffte Menschen fähig sein könnten - wenn man sie nur lassen würde. Wenn man so einen Bekifften eines Abends einfach mal in eine etwas abstruse Situation rutschen lassen würde, dann könnte daraus - so lässt sich aus dem Film schliessen - noch etwas ganz Lustiges werden. Denn lustig ist Pineapple Express allemal. Ohne Adam Sandler im Team, der wohl hauptverantwortlich für das schwache Drehbuch von You Don't Mess with the Zohan war, scheint sich Judd Apatow mit seinen Schreibkameraden Evan Goldberg (Autor von Superbad) und Seth Rogen vollständig entfalten zu können. Viele Pointen und Sprüche sind brillant gesetzt ("This is what our grandchildren will smoke one day!") und man darf über so manche absurde und lächerliche Szene herzhaft lachen. So kommt man beispielsweise kaum nach, wie oft Danny McBride während des Films erschossen wird. Leider braucht der Film seine Zeit, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Bis zur 80. Minute ist Pineapple Express mit unwürdigen und allzu dämlichen Sprüchen gespickt, welche manche Szenen doch sehr langsam vorbeigehen lassen. Genial hingegen ist die vielgescholtene Schlussszene, die aus einem ungefähr fünfminütigen Gespräch zwischen den drei Protagonisten besteht, was am Ende bloss darauf hinausläuft, dass die drei Schwerstverwundeten ihr Frühstück beenden und ins Krankenhaus fahren. So ein Brüller zum Schluss entschädigt zumindest schon einmal halbwegs für die unzähligen flachen Kifferwitze, die wohl mit einem leichten Schwips (oder unter dem Einfluss von Hanf) noch ganz amüsant wären.

Ein Lob gebührt Judd Apatow für seine Schauspielerwahl. Einmal mehr hat er auf Seth Rogen gesetzt, der ja bereits in Knocked Up zu glänzen wusste und seine Kollegin Katherine Heigl an die Wand witzelte. Seine Figur ist schon fast bemitleidenswert, wie dümmlich sie sich in den einfachsten Situationen anstellt. Übertroffen wird diese Dämlichkeit nur noch von Rogens Schauspielkollegen James Franco - der Dealer Saul - der es locker fertigbringt, mit einem in der Windschutzscheibe feststeckenden Fuss ein Auto zu lenken. Szenen, in welchen die beiden Schwachköpfe bekifft durch die Gegend hüpfen, gehören zum Besten, was in Pineapple Express geboten wird. Auch Danny McBride darf hie und da gehörig zulangen und ist bei näherer Betrachtung genauso jämmerlich wie die beiden Hauptfiguren. Erwähnenswert sind auch die beiden Antagonisten Rosie Perez, welche herrlich unsympathisch spielt, und Gary Cole, der den typischen Playboy-Gangster im Badeanzug mimt. Zudem finden sich in Pineapple Express einige mehr oder weniger bekannte Gaststars - so etwa James Remar oder Bill Hader, um einmal zwei zu nennen.

Was verbirgt sich hinter dem Film? Bei genauerer Betrachtung muss leider gesagt werden, dass Pineapple Express noch leerer und noch hohler als alle bisherigen Apatow-Projekte ist. Es lässt sich nicht einmal eine Art Moral daraus ableiten, da man bei diesem Versuch unweigerlich bei so etwas wie "Wenn du kiffst, wird alles besser!" landen würde. So muss man Pineapple Express einfach als 111-minütiges Spassvehikel ansehen. Dazu ist der Film aber bestens geeignet.

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