Thursday, 25 August 2011

Crazy, Stupid, Love.

Diese Kritik erschien zuerst in gedruckter Form in der Wochenzeitung Region.
  
Ein oft beklagtes Problem aktueller Liebeskomödien ist der Mangel an Originalität. Crazy, Stupid, Love. zeigt jedoch, dass ein Film auch dann zu unterhalten vermag, wenn das eine oder andere Klischee darin enthalten ist. Man nehme Herz, schrägen Witz und einen bestens aufgelegten Cast.

Cal Weaver (Steve Carell) hat alles, was er sich je erträumt hat: wohlerzogene Kinder, einen sicheren Job, ein eigenes Haus und eine Frau, Emily (Julianne Moore), die er immer noch liebt, wie am ersten Tag. Als diese aber aus heiterem Himmel die Scheidung verlangt, fällt Cal aus allen Wolken. Er zieht aus und verbringt ab sofort seine Tage in einer Bar. Dort trifft er auf den Frauenhelden Jacob (Ryan Gosling), der sich vornimmt, Cal im Umgang mit Frauen zu schulen. Neue Kleider, neues Verhalten und ein paar Gesprächstechniken und schon landet der Geschiedene mit hübschen Frauen im Bett, unter anderem mit der Lehrerin Kate (Marisa Tomei). Gleichzeitig verliebt sich Jacob in die junge Hannah (Emma Stone). Noch kann niemand ahnen, wie eng alle diese Liebeleien tatsächlich zusammenhängen.

Zu sagen, dass Crazy, Stupid, Love. das Rom-Com-Genre revolutioniert, wäre übertrieben. Bekannte Stilelemente wie die emotionale Rede, der Sieg der wahren Liebe oder die allgemeine Versöhnung finden alle Erwähnung. Aber dennoch hemmen sie den Genuss des Films grösstenteils nicht. Dies ist einerseits dem schrägen Humor des Autors Dan Fogelman zu verdanken: Er mag Klischees in sein Skript eingearbeitet haben, doch dank des ironischen Tonfalls werden sie oft gänzlich ad absurdum geführt; etwa wenn Cal in einem für ihn traurigen Moment den plötzlich einsetzenden Regen mit "That's such a cliché!" kommentiert oder die Jahresabschlussrede seines Sohnes mit den Worten "My son's speech sucks" unterbricht. Überhaupt werden hier Witze über Dinge gerissen, über die man sich in einer amerikanischen Liebeskomödie normalerweise nicht lustig macht. Die Nacktfotos einer Minderjährigen führen ebenso zu Heiterkeit wie Cal und Emily, die sich mit sarkastischen Sprüchen über ihre seltsamen Kinder unterhalten.

Unterschiedliche Kameraden: Jacob (Ryan Gosling, links) und der geschiedene Cal (Steve Carell) stossen bei ihren Traumfrauen an ihre Grenzen.
Die Geschichte selber ist ein herrliches Chaos aus Verbindungen und echten und falschen Gefühlen, denen die Charaktere scheinbar hilflos ausgesetzt sind. Der diesbezügliche Höhepunkt ist der Moment, in dem Jacob auf Hannahs Eltern trifft; nicht nur wartet die Szene mit einem wunderbaren Twist auf, sie führt sämtliche Handlungsstränge zusammen – das Ende von Lessings Nathan der Weise fällt einem ein – und endet so fulminant (und handfest), wie keine andere Rom-Com jüngerer Zeit. Und trotz der Lacher, die daraus entstehen, vermochten die Regisseure Glenn Ficarra und John Requa der Story eine gewisse emotionale Resonanz zu verleihen, nicht zuletzt dank der sorgfältigen Charakterentwicklung. Dabei hilft auch die Schauspieltruppe, die offenkundig Spass daran hatte, sich – getreu dem Filmtitel – verrückte und, ja, auch etwas einfältige Figuren einzuleben.

Crazy, Stupid, Love. ist zweifelsohne eine Liebeskomödie, welche die Genre-Konkurrenz erblassen lässt. Nicht jeder Gag mag funktionieren, nicht jedes Klischee wird hinterfragt; aber man wird unterhalten und nicht für dumm verkauft. Und dafür sollte man dem Film dankbar sein.

★★★★

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