Friday, 6 June 2008

Funny Games U.S.

2.5 Sterne

Es gibt viele Remakes. Einige sind gelungen, andere weniger, einige können sogar den Vorgänger übertrumpfen. Funny Games U.S. ist ein Spezialfall. Der Österreicher Michael Haneke hat hier nämlich seinen eigenen Film Funny Games (1997) quasi Einstellung für Einstellung neu gedreht, einfach für den - der Titel zeigt es - für den amerikanischen Markt. Er liefert der Kritikerschaft einen Film, der sich mit einem leider sehr in die Mode gekommenen und nichts sagendem Wort beschreiben lässt: Interessant.

Gewalt. Sinnlose Gewalt. Hollywood lechzt nach Studien über dieses Thema. Mit den Promis Emile Hirsch und Justin Timberlake wurde beispielsweise gezeigt, wozu gelangweilte Oberschichtler fähig sind. Funny Games U.S. erzählt die Geschichte von zwei offensichtlich unterbeschäftigten jungen Menschen, die eine Vorzeigefamilie psychisch foltert und schliesslich umbringt. Der Zuschauer erfährt nichts über Motive, Hintergrundgeschichten oder Charaktere. Auch Gewalt ist kaum zu sehen. Menschen werden umgebracht, die Tat richtig sehen tut man aber fast nie. Stattdessen wird auf das Fernsehen draufgehalten, während im Hintergrund geschrien wird.

Schauspielerisch ist Funny Games U.S. zwiegespalten. Michael Pitt und Brady Corbet spielen die Killer überzeugend, Tim Roth vermag als Vater zu glänzen, Naomi Watts und Devon Gearhart allerdings kommen nicht über Tränenauftritte hinaus.

Der Film ist anders, ohne Frage. Aber wie anders? Vor zehn Jahren hatte die Message über die Sensationslüsternheit des Zuschauers einen anderen Stellenwert als heute, den selben Film nochmals zu machen hat da irgendwie keinen Sinn. Ausserdem überschreitet Funny Games U.S. bisweilen auch die Grenze zur Heuchelei. Auch die Filmart ist etwas zu avantgardistisch geraten. Es ist quälend, wenn man Naomi Watts drei Minuten lang beim Versuch, aufzustehen zusehen muss. Dies ist aber keine psychische Gewalt, sondern einfach langweilig. Sicher ist das Projekt ambitioniert, scheitert aber etwas an der eigenen Grundidee. Der Film wurde bewusst am Zuschauer vorbeiproduziert, da muss man sich aber auch nicht wundern, wenn er keinen Erfolg hat.

Man kann Funny Games U.S. lieben und genial finden. Michael Haneke hat richtig bemerkt: "Es ist ein Film, bei dem man verdammt ist, egal ob amn das Original gesehen hat oder nicht." Das fängt das Problem sehr gut ein: das Remake ist überflüssig und erreicht nie die Intensität und Schockwirkung von Funny Games.

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