4 Sterne
Eine neue Liebeskomödie made in Hollywood? Sofort alle Alarmglocken auf Rot! Denn dieses Genre ist so frisch wie ein verfaulter Apfel und so geniessbar wie eine Flasche Lebertran - zumindest heutzutage. Dass der Streifen auch noch als halbe Satire verkauft wird, kann die Sache ja wohl kaum aufwerten! Und dann spielt auch noch das hübsche Gesichtchen Scarlett Johansson mit! Nein, diesen Film will man nicht sehen! Oder?
Wenn man am 31. Dezember 2008 während den Silvesterfeierlichkeiten das Kinojahr Revue passieren lässt, dann wird man bei der Sparte "Überraschung des Jahres" unweigerlich auf The Nanny Diaries stossen. Denn der neue Film von Shari Springer Berman und Robert Pulcini - Regisseure von American Splendor - vermag mit einer unterhaltsamen Story, passablen Schauspielern und einer guten Portion Zynismus zu überzeugen.
Selbstverständlich hat The Nanny Diaries mit Problemen zu kämpfen, die eine Rom-Com so mit sich bringt. Sprich: die Übertreibung der Nanny-Kind-Beziehung und der übermässige Charme des Traummannes. Doch der Film unterhält mit anderen Werten. Beispielsweise mit seiner Hauptdarstellerin Scarlett Johansson, die einmal mehr beweist, dass sie eine ernstzunehmende Schauspielerin ist, die ihre Aufgaben jeweils sehr genau nimmt. Sie spielt Annie mit viel Motivation und macht die Figur unglaublich sympathisch. Unterstützt wird sie von einer sehr bösen Laura Linney und einem Paul Giamatti, den man selten so gesehen hat. Wer es auf berühmte Namen abgesehen hat, wird noch mit der etwas uninspiriert dazugepappten Alicia Keys bedient. Immerhin offenbart die Musikerin ein gewisses schauspielerisches Talent, was einem die Peinlichkeit eines schlecht gespielten Auftritts erspart.
Wie gut ist aber die angekündigte Satire? Besonders in der ersten Hälfte überwiegen bissige Kommentare, gepaart mit einigen lustigen Dialogen zwischen Annie und ihrem Schützling Grayer. Doch leider werden satirische Einschübe immer seltener, je länger der Film dauert. Am Ende muss man sich als Zuschauer mit einer Rede von Scarlett Johansson begnügen. Doch diese Rede ist unglaublich befriedigend, denn für einmal nervt man sich nicht wegen des Happy Ends.
The Nanny Diaries ist zwar ein typischer Hollywoodfilm, der erst noch viele Ähnlichkeiten mit The Devil Wears Prada aufweist - Kunststück, die Romanvorlagen wurden beide von Direktbetroffenen verfasst - doch immer wieder überrascht der Streifen durch witzige Einfälle, absurde Situationen und zynische Sprüche. Keine hohe Filmkunst, aber dennoch ein Film zum Wohlfühlen.
Montag, 8. September 2008
Sonntag, 7. September 2008
Shotgun Stories
4.5 Sterne
Es gibt ein paar Filme, die trotz ihrer Langsamkeit nicht wirklich langweilig sind. Down By Law wäre ein solcher Film, The Band's Visit ein anderer. Und nun kommt das Slow-Motion-Werk von Jeff Nichols: Shotgun Stories - ein Film, der die Langsamkeit nicht als Abstraktion verwendet, sondern gezielt auf ein Stimmungsbild aus dem kargen US-Staat Arkansas aus ist. Und obwohl der Film im Zeitlupentempo voranschleicht, obwohl einem die 95 Minuten Laufzeit wie eine Ewigkeit vorkommen, beeindruckt Nichols' Film mit hervorragenden Darstellern und einer greifbar wütenden Grundstimmung.
Fürwahr, schenkt man Shotgun Stories Glauben, dann würde man sich hüten jemals einen Fuss in den Staat Arkansas setzen - so öd, unwirtlich und gottverlassen wird der Südstaat beschrieben. Zwar werden einem die Bewohner des Staates nicht als Hinterwäldler dargestellt - dieses Bild bekamen die Kinozuschauer von Georgia in Deliverance serviert - doch die konstante Anspannung und die angestaute Wut sind ganz klar zu spüren. Ein zusätzlicher Grund, warum einem Shotgun Stories trist vorkommt, ist sicher auch die Filmart: Es wurde nämlich auf Cinemascope gesetzt - das Ultrabreitbild, in dem Leerräume vorprogrammiert sind. Der Grossmeister Sergio Leone füllte diese Räume mit Grossaufnhamen, bei Jeff Nichols bleiben sie leer - er benutzt die Filmart, um das karge Bild von Arkansas zu unterstreichen.
Doch wer lebt in einer solchen Einöde? Die Hauptakteure sind White Trash erster Güte: Sie leben in älteren Häusern, Zelten und Wohnwagen, während die Antagonisten einen relativ luxuriösen Lebensstil pflegen, der aber auch nicht über die Einsamkeit hinwegtäuschen kann. Nein, wer in diesem Teil von Arkansas lebt - die Hauptstadt Little Rock hat immerhin mehrere hunderttausend Einwohner - ist wirklich zu bemitleiden. Gespielt werden die Unglücksseligen von einem starken Cast, wo man aber - wenn man ehrlich ist - keinen Namen so richtig kennt. Michael Shannon kennt man zwar vom Sehen als Nebendarsteller in diversen Filmen (zuletzt in Before the Devil Knows You're Dead), doch wer bitteschön sind Douglas Ligon oder Barlow Jacobs? Doch diese Wissenslücke tut eigentlich nichts zur Sache, denn jetzt kennt man die Schauspieler und das ist gut so. Die Darsteller in Shotgun Stories sind eine Geschichte für sich. Besonders hervorzuheben ist sicherlich Michael Shannon, der die Hauptfigur Son mit überzeugender Intensität spielt. In mancher ruhiger Szene ist sein wütendes Atmen, sein Schnauben das einzig Hörbare. Er ist so gut wie omnipräsent und verkörpert den typischen Loser aus dem Süden sehr gewissenhaft. Kaum je kommt ein Lächeln über seine Lippen und die Rede am Grab des Filmvaters ist dermassen eindringlich, dass man das Gefühl hat, sie sei im Grunde viel zu kurz. Doch auch Douglas Ligon und Barlow Jacobs machen ihre Sache mehr als gut. Beide überzeugen in ihren Rollen und bilden mit ihren jeweils etwas traurigen oder verlorenen Gesichtsausdrücken einen gelungenen Kontrast zur zornigen Grimasse von Michael Shannon. In weiteren Nebenrollen sind Lynnsee Provence, Michael Abbott Jr., David Rhodes und Travis Smith als Gegner der drei Protagonisten zu sehen. Diese Gegner sind zwar nicht allzu häufig zu sehen, doch wenn sie an der Reihe sind, überzeugen alle restlos.
Shotgun Stories ist ein Autorenfilm und Jeff Nichols hat glücklicherweise das Talent, ein stimmiges Drehbuch zu schreiben. Zwar übertreibt er es in der ersten Hälfte vielleicht etwas mit Charakterstudien und führt den Hauptplot etwas zu spät ein, doch die vereinzelt vorkommenden und sehr kurzen Dialoge enthalten viel Zunder und behandeln bisweilen auch philosophische Ansichten über das Leben am Arsch der Welt. Obwohl die Filmlänge nur knapp 95 Minuten beträgt, lässt sich der Film sehr viel Zeit, auf die verschiedenen Figuren einzugehen und zu zeigen, wie jede einzelne Person etwas tut, um den Tag hinter sich zu bringen. Und sei es, eine inoffizielle Basketballmannschaft mit Jugendlichen zusammenzustellen oder an einem alten Wohnwagen rumzutüfteln.
Wie bereits erwähnt, kommt der Film nur schleppend in Fahrt und wird erst etwa ab der Hälfte richtig spannend. Was folgt, ist ein halbstündiger, ruhiger und dichter Showdown, welcher in ein ungewöhnliches Ende mündet, das den einen oder anderen Kinobesucher enttäuschen dürfte. Doch dieser Kinogänger würde wohl schon vorher enttäuscht werden, denn der Titel weist zwar auf einen Film à la A History of Violence hin, doch richtig gewalttätig wird es kaum je. Und wenn, dann sind keine Schrotflinten involviert.
Interessierten sei ans Herz gelegt, sich den Film mit Untertiteln anzusehen. Die Originalversion ist aufgrund des zwar moderaten, aber dennoch schwer verständlichen Südstaatenakzents sowieso Pflicht, doch die Akteure nuscheln teilweise doch ziemlich, was das Verständnis zusätzlich behindert.
Shotgun Stories ist ein bedächtiger und intensiver Film, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Massen nicht ins Kino lockt. Dennoch ist das Erstlingswerk von Regisseur und Drehbuchautor Jeff Nichols ein gelungenes Porträt von Arkansas und seinen Bewohnern - zu denen Nichols selbst gehört - geworden. Zwar wird man nicht von Beginn an hingerissen, doch bald schon wird man sich der Tiefe und der packenden Geschichte von Shotgun Stories bewusst. Doch nach Arkansas will man nun wirklich beim besten Willen nicht ziehen - trotz überwältigender Bilder in Cinemascope.
Es gibt ein paar Filme, die trotz ihrer Langsamkeit nicht wirklich langweilig sind. Down By Law wäre ein solcher Film, The Band's Visit ein anderer. Und nun kommt das Slow-Motion-Werk von Jeff Nichols: Shotgun Stories - ein Film, der die Langsamkeit nicht als Abstraktion verwendet, sondern gezielt auf ein Stimmungsbild aus dem kargen US-Staat Arkansas aus ist. Und obwohl der Film im Zeitlupentempo voranschleicht, obwohl einem die 95 Minuten Laufzeit wie eine Ewigkeit vorkommen, beeindruckt Nichols' Film mit hervorragenden Darstellern und einer greifbar wütenden Grundstimmung.
Fürwahr, schenkt man Shotgun Stories Glauben, dann würde man sich hüten jemals einen Fuss in den Staat Arkansas setzen - so öd, unwirtlich und gottverlassen wird der Südstaat beschrieben. Zwar werden einem die Bewohner des Staates nicht als Hinterwäldler dargestellt - dieses Bild bekamen die Kinozuschauer von Georgia in Deliverance serviert - doch die konstante Anspannung und die angestaute Wut sind ganz klar zu spüren. Ein zusätzlicher Grund, warum einem Shotgun Stories trist vorkommt, ist sicher auch die Filmart: Es wurde nämlich auf Cinemascope gesetzt - das Ultrabreitbild, in dem Leerräume vorprogrammiert sind. Der Grossmeister Sergio Leone füllte diese Räume mit Grossaufnhamen, bei Jeff Nichols bleiben sie leer - er benutzt die Filmart, um das karge Bild von Arkansas zu unterstreichen.
Doch wer lebt in einer solchen Einöde? Die Hauptakteure sind White Trash erster Güte: Sie leben in älteren Häusern, Zelten und Wohnwagen, während die Antagonisten einen relativ luxuriösen Lebensstil pflegen, der aber auch nicht über die Einsamkeit hinwegtäuschen kann. Nein, wer in diesem Teil von Arkansas lebt - die Hauptstadt Little Rock hat immerhin mehrere hunderttausend Einwohner - ist wirklich zu bemitleiden. Gespielt werden die Unglücksseligen von einem starken Cast, wo man aber - wenn man ehrlich ist - keinen Namen so richtig kennt. Michael Shannon kennt man zwar vom Sehen als Nebendarsteller in diversen Filmen (zuletzt in Before the Devil Knows You're Dead), doch wer bitteschön sind Douglas Ligon oder Barlow Jacobs? Doch diese Wissenslücke tut eigentlich nichts zur Sache, denn jetzt kennt man die Schauspieler und das ist gut so. Die Darsteller in Shotgun Stories sind eine Geschichte für sich. Besonders hervorzuheben ist sicherlich Michael Shannon, der die Hauptfigur Son mit überzeugender Intensität spielt. In mancher ruhiger Szene ist sein wütendes Atmen, sein Schnauben das einzig Hörbare. Er ist so gut wie omnipräsent und verkörpert den typischen Loser aus dem Süden sehr gewissenhaft. Kaum je kommt ein Lächeln über seine Lippen und die Rede am Grab des Filmvaters ist dermassen eindringlich, dass man das Gefühl hat, sie sei im Grunde viel zu kurz. Doch auch Douglas Ligon und Barlow Jacobs machen ihre Sache mehr als gut. Beide überzeugen in ihren Rollen und bilden mit ihren jeweils etwas traurigen oder verlorenen Gesichtsausdrücken einen gelungenen Kontrast zur zornigen Grimasse von Michael Shannon. In weiteren Nebenrollen sind Lynnsee Provence, Michael Abbott Jr., David Rhodes und Travis Smith als Gegner der drei Protagonisten zu sehen. Diese Gegner sind zwar nicht allzu häufig zu sehen, doch wenn sie an der Reihe sind, überzeugen alle restlos.
Shotgun Stories ist ein Autorenfilm und Jeff Nichols hat glücklicherweise das Talent, ein stimmiges Drehbuch zu schreiben. Zwar übertreibt er es in der ersten Hälfte vielleicht etwas mit Charakterstudien und führt den Hauptplot etwas zu spät ein, doch die vereinzelt vorkommenden und sehr kurzen Dialoge enthalten viel Zunder und behandeln bisweilen auch philosophische Ansichten über das Leben am Arsch der Welt. Obwohl die Filmlänge nur knapp 95 Minuten beträgt, lässt sich der Film sehr viel Zeit, auf die verschiedenen Figuren einzugehen und zu zeigen, wie jede einzelne Person etwas tut, um den Tag hinter sich zu bringen. Und sei es, eine inoffizielle Basketballmannschaft mit Jugendlichen zusammenzustellen oder an einem alten Wohnwagen rumzutüfteln.
Wie bereits erwähnt, kommt der Film nur schleppend in Fahrt und wird erst etwa ab der Hälfte richtig spannend. Was folgt, ist ein halbstündiger, ruhiger und dichter Showdown, welcher in ein ungewöhnliches Ende mündet, das den einen oder anderen Kinobesucher enttäuschen dürfte. Doch dieser Kinogänger würde wohl schon vorher enttäuscht werden, denn der Titel weist zwar auf einen Film à la A History of Violence hin, doch richtig gewalttätig wird es kaum je. Und wenn, dann sind keine Schrotflinten involviert.
Interessierten sei ans Herz gelegt, sich den Film mit Untertiteln anzusehen. Die Originalversion ist aufgrund des zwar moderaten, aber dennoch schwer verständlichen Südstaatenakzents sowieso Pflicht, doch die Akteure nuscheln teilweise doch ziemlich, was das Verständnis zusätzlich behindert.
Shotgun Stories ist ein bedächtiger und intensiver Film, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Massen nicht ins Kino lockt. Dennoch ist das Erstlingswerk von Regisseur und Drehbuchautor Jeff Nichols ein gelungenes Porträt von Arkansas und seinen Bewohnern - zu denen Nichols selbst gehört - geworden. Zwar wird man nicht von Beginn an hingerissen, doch bald schon wird man sich der Tiefe und der packenden Geschichte von Shotgun Stories bewusst. Doch nach Arkansas will man nun wirklich beim besten Willen nicht ziehen - trotz überwältigender Bilder in Cinemascope.
Donnerstag, 4. September 2008
In Bruges
6 Sterne
Was haben Brügge und Martin McDonagh gemeinsam? Kaum jemand kennt sie. Und das darf nicht so bleiben! Brügge ist eine wunderschöne belgische Stadt mit 100'000 Einwohnern, Martin McDonagh ein oscarprämierter Regisseur (Oscar 2006 in der Kategorie "Best Short Film, Live Action" für Six Shooter). Mit In Bruges ist dem Iren hoffentlich endgültig der Durchbruch gelungen, denn sein erster Langspielfilm ist ein meisterhafter Film, der geschickt mit den Gefühlen des Zuschauers spielt. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass In Bruges ein Film ist, dem alles gelingt, was Quentin Tarantino nie gelungen ist. Er ist cool, witzig, aber dennoch gehaltvoll.
Gewalt, Humor, Dramatik und Absurdität sind Begriffe, die in In Bruges zu einem einzelnen, noch nie dagewesenen Genre verschmelzen. Dialogwitz, Theaterelemente, Shakespear'sche Twists und rohe Gewaltszenen reihen sich hier aneinander und ergeben schlussendlich einen nahezu perfekten Film. Es ist sinnlos, hier objektiv zu bleiben. In Bruges ist der Inbegriff eines gelungenen Films. Die Schauspielleistungen sind berauschend - Ralph Fiennes und Brendan Gleeson zeigen einmalige Leistungen, die man allerdings in der Zwischenzeit von ihnen gewohnt sein dürfte. Schlichtweg überragend ist Colin Farrell, den man noch nie besser gesehen hat und den man wohl nie mehr besser sehen wird. Er lebt Ray und ist in jeder noch so dramatischen Szene überzeugend und Herr der Lage. Jeder einzelne Schauspieler verkörpert seine Rolle perfekt. Jede Figur ist hervorragend ausgearbeitet und unglaublich kompliziert - es wäre ohne weiteres möglich, über jede Figur einen eigenen Film zu drehen. Der Film dreht sich zwar vor allem um Gleeson und Farrell, doch trotzdem geht bei diesem Duo die geniale Performance von Ralph Fiennes nicht unter, der den chloreischen Harry mit viel Herzblut spielt.
Und wenn die Schauspieler hervorragend spielen, kann man sich als Zuschauer auch an dem brillant geschriebenen Drehbuch erfreuen, wo beinahe in Machine-Gun-Dialogue-Manier sehr lustige, aber teilweise auch sehr derbe Witze gerissen werden. Überhaupt ist In Bruges allzu feinfühligen Leuten nicht zu empfehlen, da doch sehr viel Blut fliesst und dies auch explizit zu sehen ist. Allerdings muss zur Verteidigung des Films gesagt werden, dass jeder Tote einen Sinn hat. Hier werden nicht der Unterhaltung zuliebe wahllos Leute abgeschlachtet, sondern jeder einzelne Schuss trägt seinen Teil zur überwältigenden Symbolkraft von In Bruges bei. Präsentiert Martin McDonagh Brügge zunächst noch als malerisches Touristenstädtchens, kippt der Eindruck des Ortes in der zweiten Hälfte des Films, wo das Düstere und Bedrohliche, das Mittelalterliche hervorgestrichen wird.
Wer in Filmgeschichte einigermassen bewandert ist, wird sich mit Schaudern an Filme erinnern, die in der Hälfte von Komödie zu Drama übergelaufen sind (Good Morning, Vietnam ist ein Musterbeispiel). In Bruges ist in dieser Beziehung die willkommene Ausnahme von der Regel. Es lässt sich zwar genau feststellen, wo das Dramatische Überhand nimmt, doch kein Akt des Films ist nur komisch oder nur tragisch. Es herrscht immer eine genaue Balance zwischen den beiden Tönen.
Abschliessend zu loben ist auch der Soundtrack. Die Orchesterstücke, die sanften Lieder und die paar moderneren Songs verbinden sich perfekt mit den Bildern - besonders beeindruckend ist das Bild des leeren, morgendlichen Brügges, begleitet von Andreas Schmidt, der ein Klavierlied von Schubert zum Besten gibt.
In Bruges ist ein Meisterwerk, wie man es selten gesehen hat. Der Film besticht durch brillantes Schauspiel, knackige und spassige Dialoge und ein Finale, welches man so schnell nicht vergisst. Martin McDonagh hat eindeutig den Film des Jahres gemacht. Man kann es drehen und wenden, wie man will, Komödie und Drama wurden selten so gelungen vermischt.
Was haben Brügge und Martin McDonagh gemeinsam? Kaum jemand kennt sie. Und das darf nicht so bleiben! Brügge ist eine wunderschöne belgische Stadt mit 100'000 Einwohnern, Martin McDonagh ein oscarprämierter Regisseur (Oscar 2006 in der Kategorie "Best Short Film, Live Action" für Six Shooter). Mit In Bruges ist dem Iren hoffentlich endgültig der Durchbruch gelungen, denn sein erster Langspielfilm ist ein meisterhafter Film, der geschickt mit den Gefühlen des Zuschauers spielt. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass In Bruges ein Film ist, dem alles gelingt, was Quentin Tarantino nie gelungen ist. Er ist cool, witzig, aber dennoch gehaltvoll.
Gewalt, Humor, Dramatik und Absurdität sind Begriffe, die in In Bruges zu einem einzelnen, noch nie dagewesenen Genre verschmelzen. Dialogwitz, Theaterelemente, Shakespear'sche Twists und rohe Gewaltszenen reihen sich hier aneinander und ergeben schlussendlich einen nahezu perfekten Film. Es ist sinnlos, hier objektiv zu bleiben. In Bruges ist der Inbegriff eines gelungenen Films. Die Schauspielleistungen sind berauschend - Ralph Fiennes und Brendan Gleeson zeigen einmalige Leistungen, die man allerdings in der Zwischenzeit von ihnen gewohnt sein dürfte. Schlichtweg überragend ist Colin Farrell, den man noch nie besser gesehen hat und den man wohl nie mehr besser sehen wird. Er lebt Ray und ist in jeder noch so dramatischen Szene überzeugend und Herr der Lage. Jeder einzelne Schauspieler verkörpert seine Rolle perfekt. Jede Figur ist hervorragend ausgearbeitet und unglaublich kompliziert - es wäre ohne weiteres möglich, über jede Figur einen eigenen Film zu drehen. Der Film dreht sich zwar vor allem um Gleeson und Farrell, doch trotzdem geht bei diesem Duo die geniale Performance von Ralph Fiennes nicht unter, der den chloreischen Harry mit viel Herzblut spielt.
Und wenn die Schauspieler hervorragend spielen, kann man sich als Zuschauer auch an dem brillant geschriebenen Drehbuch erfreuen, wo beinahe in Machine-Gun-Dialogue-Manier sehr lustige, aber teilweise auch sehr derbe Witze gerissen werden. Überhaupt ist In Bruges allzu feinfühligen Leuten nicht zu empfehlen, da doch sehr viel Blut fliesst und dies auch explizit zu sehen ist. Allerdings muss zur Verteidigung des Films gesagt werden, dass jeder Tote einen Sinn hat. Hier werden nicht der Unterhaltung zuliebe wahllos Leute abgeschlachtet, sondern jeder einzelne Schuss trägt seinen Teil zur überwältigenden Symbolkraft von In Bruges bei. Präsentiert Martin McDonagh Brügge zunächst noch als malerisches Touristenstädtchens, kippt der Eindruck des Ortes in der zweiten Hälfte des Films, wo das Düstere und Bedrohliche, das Mittelalterliche hervorgestrichen wird.
Wer in Filmgeschichte einigermassen bewandert ist, wird sich mit Schaudern an Filme erinnern, die in der Hälfte von Komödie zu Drama übergelaufen sind (Good Morning, Vietnam ist ein Musterbeispiel). In Bruges ist in dieser Beziehung die willkommene Ausnahme von der Regel. Es lässt sich zwar genau feststellen, wo das Dramatische Überhand nimmt, doch kein Akt des Films ist nur komisch oder nur tragisch. Es herrscht immer eine genaue Balance zwischen den beiden Tönen.
Abschliessend zu loben ist auch der Soundtrack. Die Orchesterstücke, die sanften Lieder und die paar moderneren Songs verbinden sich perfekt mit den Bildern - besonders beeindruckend ist das Bild des leeren, morgendlichen Brügges, begleitet von Andreas Schmidt, der ein Klavierlied von Schubert zum Besten gibt.
In Bruges ist ein Meisterwerk, wie man es selten gesehen hat. Der Film besticht durch brillantes Schauspiel, knackige und spassige Dialoge und ein Finale, welches man so schnell nicht vergisst. Martin McDonagh hat eindeutig den Film des Jahres gemacht. Man kann es drehen und wenden, wie man will, Komödie und Drama wurden selten so gelungen vermischt.
Mittwoch, 3. September 2008
Before the Devil Knows You're Dead
5.5 Sterne
51 Jahre ist es her, seit Sidney Lumet seinen ersten Kinofilm gedreht hat. 1957 kam der heute als Klassiker angesehene 12 Angry Men in die Kinos. 50 Jahre später - 2007 - brachte der Altstar einen Film heraus, der ebenfalls das Zeug zu einem Klassiker hat: Before the Devil Knows You're Dead, ein schweres Familiendrama, ganz im Stile der klassischen griechischen Tragödie. Lumet zeigt, dass er auch im Alter von 84 Jahren das Zeug zu hochspannenden und mitunter gar bitterbösen Filmen hat. Nur dem Cutter hätte man rechtzeitig etwas den Wind aus den Segeln nehmen sollen.
Wenn das Positive überwiegt, soll man ja mit dem Negativen beginnen. Denn danach kann man ohne Hemmungen schwärmen. Nun: Before the Devil Knows You're Dead ist höchst seltsam geschnitten. Die Storyline ist zwar nicht chronologisch aufgebaut, aber die Zeitsprünge hätten auch anders, als mit zersplitternden Bildern umrahmt werden können. Dies verschafft dem Film etwas Effekthascherisches und das verdient Before the Devil Knows You're Dead nicht. Soviel zu den Dingen, die nicht hundertprozentig überzeugen. Will man die positiven Faktoren von Before the Devil Knows You're Dead aufzeigen, muss man schon etwas weiter ausholen. Man beginnt vielleicht mit dem Titel: Dieser leitet sich nämlich aus dem alten irischen Trinkspruch "May you have food and raiment, a soft pillow for your head; may you be 40 years in heaven, before the devil knows you're dead." ab. Sobald der Film zu Ende ist, fällt einem die Genialität hinter der Titelwahl sofort auf, doch das Ende sei hier nicht verraten.
Before the Devil Knows You're Dead wartet ebenfalls mit einer beeindruckenden Schauspielerliste auf. Neben den Hauptdarstellern Ethan Hawke und Philip Seymour Hoffman glänzen auch Albert Finney und Marisa Tomei in ihren Rollen. Es wird auch bald klar, dass der Film ganz auf dieses Quartett fixiert ist. Daran ändern auch die Kurzauftritte von Michael Shannon und Amy Ryan nichts. Hinter dem Spiel der Hauptakteure findet man ganz klar die hervorragende Regiearbeit des alten Hasen Sidney Lumet. Jeder einzelne Schauspieler - Philip Seymour Hoffman an vorderster Front - verschwindet hinter seiner Figur und verleiht dem Film eine einzigartige Atmosphäre. Das eindringliche und intensive Spiel ist hier eindeutig die halbe Miete.
Ein weiteres Highlight ist das Drehbuch. Kelly Masterston hat eine geniale, aber auch sehr komplexe Story mit hervorragenden Twists geschaffen. Die knackigen und stimmigen Dialoge tragen ihren Teil dazu bei, dass Before the Devil Knows You're Dead ein schweres Psychodrama der besten Sorte ist.
Eigentlich müsste man über den Film viel mehr schreiben, doch leider müssten dazu wichtige Twists und Plot-Details verraten werden. Also muss für dieses mal das Wort des Kritikers genügen: Before the Devil Knows You're Dead in ein Meisterwerk sondergleichen. Der Film ist brillant geschrieben und gespielt, einzig der Schnitt kann einem auf die Nerven gehen. doch das vergibt man Sidney Lumet, vor allem auch wenn man bedenkt, dass bereits seine nächste Regiearbeit - Getting Out - angekündigt ist. Wir danken es ihm.
51 Jahre ist es her, seit Sidney Lumet seinen ersten Kinofilm gedreht hat. 1957 kam der heute als Klassiker angesehene 12 Angry Men in die Kinos. 50 Jahre später - 2007 - brachte der Altstar einen Film heraus, der ebenfalls das Zeug zu einem Klassiker hat: Before the Devil Knows You're Dead, ein schweres Familiendrama, ganz im Stile der klassischen griechischen Tragödie. Lumet zeigt, dass er auch im Alter von 84 Jahren das Zeug zu hochspannenden und mitunter gar bitterbösen Filmen hat. Nur dem Cutter hätte man rechtzeitig etwas den Wind aus den Segeln nehmen sollen.
Wenn das Positive überwiegt, soll man ja mit dem Negativen beginnen. Denn danach kann man ohne Hemmungen schwärmen. Nun: Before the Devil Knows You're Dead ist höchst seltsam geschnitten. Die Storyline ist zwar nicht chronologisch aufgebaut, aber die Zeitsprünge hätten auch anders, als mit zersplitternden Bildern umrahmt werden können. Dies verschafft dem Film etwas Effekthascherisches und das verdient Before the Devil Knows You're Dead nicht. Soviel zu den Dingen, die nicht hundertprozentig überzeugen. Will man die positiven Faktoren von Before the Devil Knows You're Dead aufzeigen, muss man schon etwas weiter ausholen. Man beginnt vielleicht mit dem Titel: Dieser leitet sich nämlich aus dem alten irischen Trinkspruch "May you have food and raiment, a soft pillow for your head; may you be 40 years in heaven, before the devil knows you're dead." ab. Sobald der Film zu Ende ist, fällt einem die Genialität hinter der Titelwahl sofort auf, doch das Ende sei hier nicht verraten.
Before the Devil Knows You're Dead wartet ebenfalls mit einer beeindruckenden Schauspielerliste auf. Neben den Hauptdarstellern Ethan Hawke und Philip Seymour Hoffman glänzen auch Albert Finney und Marisa Tomei in ihren Rollen. Es wird auch bald klar, dass der Film ganz auf dieses Quartett fixiert ist. Daran ändern auch die Kurzauftritte von Michael Shannon und Amy Ryan nichts. Hinter dem Spiel der Hauptakteure findet man ganz klar die hervorragende Regiearbeit des alten Hasen Sidney Lumet. Jeder einzelne Schauspieler - Philip Seymour Hoffman an vorderster Front - verschwindet hinter seiner Figur und verleiht dem Film eine einzigartige Atmosphäre. Das eindringliche und intensive Spiel ist hier eindeutig die halbe Miete.
Ein weiteres Highlight ist das Drehbuch. Kelly Masterston hat eine geniale, aber auch sehr komplexe Story mit hervorragenden Twists geschaffen. Die knackigen und stimmigen Dialoge tragen ihren Teil dazu bei, dass Before the Devil Knows You're Dead ein schweres Psychodrama der besten Sorte ist.
Eigentlich müsste man über den Film viel mehr schreiben, doch leider müssten dazu wichtige Twists und Plot-Details verraten werden. Also muss für dieses mal das Wort des Kritikers genügen: Before the Devil Knows You're Dead in ein Meisterwerk sondergleichen. Der Film ist brillant geschrieben und gespielt, einzig der Schnitt kann einem auf die Nerven gehen. doch das vergibt man Sidney Lumet, vor allem auch wenn man bedenkt, dass bereits seine nächste Regiearbeit - Getting Out - angekündigt ist. Wir danken es ihm.
Dienstag, 26. August 2008
Wanted
4.5 Sterne
Obwohl in den letzten Jahren in Hollywood eher die Hinwendung zu ernsteren Themen Anklang findet - man sehe sich die letzten Oscars an - erlebt eine andere Sparte Filme gerade einen Boom: sinnlose Ballerfilme. Lucky Number Slevin war wohl einer der erfolgreichsten Streifen dieses Genres, ungeachtet der Tatsache, dass der Film direkt auf DVD erschien. Auch Shoot 'Em Up lockte vor einem Jahr sehr viele Neugierige und Blutdürstige in die Kinos. Nun also Wanted (Regisseur: der weitestgehend unbekannte Kasache Timur Bekmambetov), der schon einmal mit einem guten Cast glänzt und noch hirnrissiger als die beiden vorhergenannten Filme ist. Puritaner des "guten" Films werden in Scharen zum Kino rauslaufen, während einige Kritiker 110 Minuten schmunzelnd sitzenbleiben, um sich dem absoluten und völlig sinnfreien Spass hinzugeben. Dieser Rezensent gehört zum letzteren Teil.
Es ist eine so gut wie unumstössliche Tatsache, dass Wanted kein guter Film ist. Wo soll man anfangen? Wanted klaut. Quasi die ganze Geschichte ist - inklusive diverser Twists - bei Lucky Number Slevin abgekupfert. Die permanente Ballerei ist aus Shoot 'Em Up. Die ersten 20 Minuten kennt man aus Fight Club. Und die Theorie, dass man mit Konzentration unmögliche Dinge schafft, kennen wir bereits aus The Matrix, nur das die Kugel hier dem Körper ausweicht und nicht umgekehrt. Dazu beigegeben wird eine zum Himmel stinkende Story über eine Bruderschaft, die seit Jahrhunderten das Gleichgewicht der Erde hält. Sie haben das Motto "Kill one, maybe save a thousand!". Selten so einen Schwachsinn gehört! Solche Versuche sind zwar in The Da Vinci Code auch bereits gemacht worden, doch dort stützte man sich wenigstens noch auf ein paar geschichtliche Fakten.
Und mittendrin in diesem Machwerk von Film sind die Darsteller: James McAvoy als plumpe Edward-Norton-Kopie, der den völlig unglaubwürdigen Wandel des unterwürfigen Büroangestellten zur eiskalten Killermaschine überzeugend auf die Leinwand bringt. Dann natürlich Angelina Jolie, die eine verrückte Figur erwischt hat und dabei aus dem Vollen schöpft. Das Wort "Nacktszene" sei auch noch erwähnt. Und zu guter Letzt - Wie könnte es anders sein? - Morgan Freeman. Der Altstar scheint in letzter Zeit überall mitzuspielen. Seine Vorliebe für zwielichtige Projekte (Dreamcatcher, Lucky Number Slevin) wird hier einmal mehr klar. Sieht man davon ab, dass er quasi die gleiche Rolle wie in Paul McGuigans Lucky Number Slevin, macht der alte Fuchs wirklich Spass und ist wie immer sehr stilvoll. Der Rest des Castes ist kaum der Rede wert, ist der Film doch primär auf die drei erwähnten Schauspieler ausgerichtet.
Diversen Leuten wird nun aufgefallen sein, dass diese Kritik nicht gerade vor Lob strotzt. Dies lässt sich leicht erklären: Wanted objektiv zu betrachten kann man vergessen. Die paar negativen Bemerkungen im vorangegangen Abschnitt sind auf keinen Fall auf die Meinung des Kritikers zu projizieren. Wanted mag ein zusammengeklauter, unwürdiger Haufen Mist sein. Doch Mist kann unterhalten! Und wie! Der Film ist zum Beispiel hervorragend schnell geschnitten, hat ein halsbrecherisches Tempo, viele coole Sprüche und wirklich haarsträubende Szenen. Doch genau das macht die Genialität von Wanted aus. Wir sehen Autoverfolgungsjagden, wo die schönsten Autos zu Schrott gefahren und geballert werden, Schiessereien im Supermarkt und seltsame, wachsartige Bäder zum Heilen von Wunden. Dazu wird noch ein Zug von einer Brücke geschubst und einem Typen werden ein paar Zähne mit einer Computertastatur rausgehauen. Diese paar Dinge sollen das Niveau von Wanted nur einmal veranschaulichen. Unnötig zu sagen, dass das Ganze einfach einen Heidenspass macht und man nach dem Kinobesuch denkt, ob man wohl unbemerkt in die nächste Vorstellung kommt.
Mit dieser selten plakativen Kritik wollte der Autor nur einmal darlegen, dass Wanted sicher nicht jedermanns Sache ist. Dass der Film in den USA R-rated ist, scheint bei all dem Blut und den F-Wörtern nur allzu logisch. Wer sich den Film in einem Kino ansieht, das auf Surround-Effekte spezialisiert ist, täte gut daran, auch gleich ein paar Ohrstöpsel mitzubringen, denn das Geballere geht aufs Trommelfell. Ansonsten steht einem gemütlichen, lustigen, sinnlosen und absolut abgedrehten Kinovergnügen nichts im Weg. "And what the fuck have you done lately?!"
Obwohl in den letzten Jahren in Hollywood eher die Hinwendung zu ernsteren Themen Anklang findet - man sehe sich die letzten Oscars an - erlebt eine andere Sparte Filme gerade einen Boom: sinnlose Ballerfilme. Lucky Number Slevin war wohl einer der erfolgreichsten Streifen dieses Genres, ungeachtet der Tatsache, dass der Film direkt auf DVD erschien. Auch Shoot 'Em Up lockte vor einem Jahr sehr viele Neugierige und Blutdürstige in die Kinos. Nun also Wanted (Regisseur: der weitestgehend unbekannte Kasache Timur Bekmambetov), der schon einmal mit einem guten Cast glänzt und noch hirnrissiger als die beiden vorhergenannten Filme ist. Puritaner des "guten" Films werden in Scharen zum Kino rauslaufen, während einige Kritiker 110 Minuten schmunzelnd sitzenbleiben, um sich dem absoluten und völlig sinnfreien Spass hinzugeben. Dieser Rezensent gehört zum letzteren Teil.
Es ist eine so gut wie unumstössliche Tatsache, dass Wanted kein guter Film ist. Wo soll man anfangen? Wanted klaut. Quasi die ganze Geschichte ist - inklusive diverser Twists - bei Lucky Number Slevin abgekupfert. Die permanente Ballerei ist aus Shoot 'Em Up. Die ersten 20 Minuten kennt man aus Fight Club. Und die Theorie, dass man mit Konzentration unmögliche Dinge schafft, kennen wir bereits aus The Matrix, nur das die Kugel hier dem Körper ausweicht und nicht umgekehrt. Dazu beigegeben wird eine zum Himmel stinkende Story über eine Bruderschaft, die seit Jahrhunderten das Gleichgewicht der Erde hält. Sie haben das Motto "Kill one, maybe save a thousand!". Selten so einen Schwachsinn gehört! Solche Versuche sind zwar in The Da Vinci Code auch bereits gemacht worden, doch dort stützte man sich wenigstens noch auf ein paar geschichtliche Fakten.
Und mittendrin in diesem Machwerk von Film sind die Darsteller: James McAvoy als plumpe Edward-Norton-Kopie, der den völlig unglaubwürdigen Wandel des unterwürfigen Büroangestellten zur eiskalten Killermaschine überzeugend auf die Leinwand bringt. Dann natürlich Angelina Jolie, die eine verrückte Figur erwischt hat und dabei aus dem Vollen schöpft. Das Wort "Nacktszene" sei auch noch erwähnt. Und zu guter Letzt - Wie könnte es anders sein? - Morgan Freeman. Der Altstar scheint in letzter Zeit überall mitzuspielen. Seine Vorliebe für zwielichtige Projekte (Dreamcatcher, Lucky Number Slevin) wird hier einmal mehr klar. Sieht man davon ab, dass er quasi die gleiche Rolle wie in Paul McGuigans Lucky Number Slevin, macht der alte Fuchs wirklich Spass und ist wie immer sehr stilvoll. Der Rest des Castes ist kaum der Rede wert, ist der Film doch primär auf die drei erwähnten Schauspieler ausgerichtet.
Diversen Leuten wird nun aufgefallen sein, dass diese Kritik nicht gerade vor Lob strotzt. Dies lässt sich leicht erklären: Wanted objektiv zu betrachten kann man vergessen. Die paar negativen Bemerkungen im vorangegangen Abschnitt sind auf keinen Fall auf die Meinung des Kritikers zu projizieren. Wanted mag ein zusammengeklauter, unwürdiger Haufen Mist sein. Doch Mist kann unterhalten! Und wie! Der Film ist zum Beispiel hervorragend schnell geschnitten, hat ein halsbrecherisches Tempo, viele coole Sprüche und wirklich haarsträubende Szenen. Doch genau das macht die Genialität von Wanted aus. Wir sehen Autoverfolgungsjagden, wo die schönsten Autos zu Schrott gefahren und geballert werden, Schiessereien im Supermarkt und seltsame, wachsartige Bäder zum Heilen von Wunden. Dazu wird noch ein Zug von einer Brücke geschubst und einem Typen werden ein paar Zähne mit einer Computertastatur rausgehauen. Diese paar Dinge sollen das Niveau von Wanted nur einmal veranschaulichen. Unnötig zu sagen, dass das Ganze einfach einen Heidenspass macht und man nach dem Kinobesuch denkt, ob man wohl unbemerkt in die nächste Vorstellung kommt.
Mit dieser selten plakativen Kritik wollte der Autor nur einmal darlegen, dass Wanted sicher nicht jedermanns Sache ist. Dass der Film in den USA R-rated ist, scheint bei all dem Blut und den F-Wörtern nur allzu logisch. Wer sich den Film in einem Kino ansieht, das auf Surround-Effekte spezialisiert ist, täte gut daran, auch gleich ein paar Ohrstöpsel mitzubringen, denn das Geballere geht aufs Trommelfell. Ansonsten steht einem gemütlichen, lustigen, sinnlosen und absolut abgedrehten Kinovergnügen nichts im Weg. "And what the fuck have you done lately?!"
Sonntag, 24. August 2008
Kung Fu Panda
2.5 Sterne
Der Kampf zwischen Pixar und DreamWorks geht in eine neue Runde. Diesmal mit zwei ungleichen Filmen. Während Pixar auf stummen Slapstick und den Jöh-Effekt ihres Roboters WALL-E setzt, fährt DreamWorks mit dem Brachialhumor eines mies prügelnden Pandas auf. Dass dieser Film die Massen ins Kino lockt, ist vorprogrammiert. Ob er den Pixar-Film schlägt, ist eine andere Frage. Denn der sogenannte Kampf der beiden Studios ist eigentlich längst keiner mehr. Längst hat das Studio mit der Lampe den angelden Engel überholt. Shrek, Antz, Madagascar und der famose Shark Tale sind die Highlights der DreamWorks-Animationsfilme. Im Vergleich zu Pixar ist das aber nichts, denn deren Filme sind fast immer Meisterwerke. Ein Wort, das man in Bezug auf Kung Fu Panda nicht benutzen sollte.
Es ist fast traurig, dass eine der grössten Schwächen von Kung Fu Panda etwas ist, was DreamWorks Pixar sonst voraus hat: prominente Stimmen. Einmal mehr wurde ein riesiges Staraufgebot zusammengetrommelt, doch man kann sich des Gedankens nicht erwehren, dass es den Produzenten mehr auf bekannte Namen als auf passende Stimmen ankam. Entsprechend wirken die Hauptrollen fehlbesetzt. Jack Black, Dustin Hoffman und Angelina Jolie können ihren Figuren keine Tiefe verleihen und ausserdem passen die Stimmen nicht zu den Tieren. Das gleiche Problem haben Jackie Chan, Lucy Liu, David Cross und Seth Rogen, die aber einen besseren Eindruck hinterlassen, da sie witzigere Rollen erwischt haben und den Figuren mit viel Enthusiasmus ihre Stimmen leihen. Idealbesetzungen, wie man sie beispielsweise in Shark Tale gesehen hat - unvergessen die Rollen von Martin Scorsese und Peter Falk - sind in Kung Fu Panda quasi inexistent. Einzig Ian McShane schafft es, dem Bösewicht Tai Lung, der eigentlich viel zu harmlos geraten ist, eine glaubhafte und sogar sehr lustige Stimme zu schenken.
Womit wir beim Humor von Kung Fu Panda angelangt wären. Es war der ausdrückliche Plan der Produzentin Melissa Cobb, den Film von Anspielungen jeglicher Art zu säubern. Und das war ein unglaublich grosser Fehler. Anspielungen auf andere Filme und aktuelle Dinge waren bisher nämlich das Salz in der Suppe bei DreamWorks-Werken. Und nun bekommt man eine anspielungsolse, fade Durchschnittssuppe vorgelegt, bei der man so gut wie nicht lacht. Daran ist zu einem guten Teil sicher auch das Drehbuch schuld. Ohne Anspielungen kann man zwar auch witzig sein, doch leider ist Kung Fu Panda so gewöhnlich wie die Tatsache, dass der Kinosaal dunkel wird, wenn der Film anfängt. Storytechnisch ist der Film schon fast eine Katastrophe.
Kitschige Szene reiht sich an kitschige Szene. Dazu wird der Aufstieg des dicken Tollpatschs zum Helden, der alle rettet noch nicht einmal im Enferntesten originell erzählt. Lediglich beim Finale, das - verglichen mit dem Rest des Films - richtiggehend furios ist, wurden die gängigen Pfade verlassen und in bester Simpsons-Manier die Absurdität gefeiert. Doch leider dauert dieses "Spektakel" gerade mal etwa zehn Minuten.
Doch ganz so schlecht ist Kung Fu Panda auch wieder nicht. Obwohl er vor allem im Mittelteil grauenhaft langweilig ist, kann man sich immer an hervorragenden Animationen und einer sehr guten "Kameraführung" erfreuen. Viele der animierten Aufnahmen sind herrliche Bildnisse eines Fanatsie-Chinas. Und obwohl die Figur im Prinzip ziemlich abgedroschen wirkt, ist der Vater des Pandas Po - eine Ente wohlgemerkt - wohl das Sympathischste am ganzen Film (das Witzigste sind Tai Lung, Mantis, der Affe, das Ende und diverse gelungene Slapstick-Einlagen).
Kung Fu Panda ist ein Schlag ins Wasser. Der Film hat keine gute Story, kein gutes Drehbuch, ist stellenweise langweilig und ist kitschig wie lang kein Film mehr. Doch dank guten Effekten, einigen guten Szenen und schönen Aufnahmen, wurde man vom ganz grossen Desaster verschont. Dennoch wird Kung Fu Panda - so kann man nur hoffen - bald ins Dunkel der Filmgeschichte verschwinden und einem leuchtenden und stummen Stern den Weg freimachen: WALL-E.
Der Kampf zwischen Pixar und DreamWorks geht in eine neue Runde. Diesmal mit zwei ungleichen Filmen. Während Pixar auf stummen Slapstick und den Jöh-Effekt ihres Roboters WALL-E setzt, fährt DreamWorks mit dem Brachialhumor eines mies prügelnden Pandas auf. Dass dieser Film die Massen ins Kino lockt, ist vorprogrammiert. Ob er den Pixar-Film schlägt, ist eine andere Frage. Denn der sogenannte Kampf der beiden Studios ist eigentlich längst keiner mehr. Längst hat das Studio mit der Lampe den angelden Engel überholt. Shrek, Antz, Madagascar und der famose Shark Tale sind die Highlights der DreamWorks-Animationsfilme. Im Vergleich zu Pixar ist das aber nichts, denn deren Filme sind fast immer Meisterwerke. Ein Wort, das man in Bezug auf Kung Fu Panda nicht benutzen sollte.
Es ist fast traurig, dass eine der grössten Schwächen von Kung Fu Panda etwas ist, was DreamWorks Pixar sonst voraus hat: prominente Stimmen. Einmal mehr wurde ein riesiges Staraufgebot zusammengetrommelt, doch man kann sich des Gedankens nicht erwehren, dass es den Produzenten mehr auf bekannte Namen als auf passende Stimmen ankam. Entsprechend wirken die Hauptrollen fehlbesetzt. Jack Black, Dustin Hoffman und Angelina Jolie können ihren Figuren keine Tiefe verleihen und ausserdem passen die Stimmen nicht zu den Tieren. Das gleiche Problem haben Jackie Chan, Lucy Liu, David Cross und Seth Rogen, die aber einen besseren Eindruck hinterlassen, da sie witzigere Rollen erwischt haben und den Figuren mit viel Enthusiasmus ihre Stimmen leihen. Idealbesetzungen, wie man sie beispielsweise in Shark Tale gesehen hat - unvergessen die Rollen von Martin Scorsese und Peter Falk - sind in Kung Fu Panda quasi inexistent. Einzig Ian McShane schafft es, dem Bösewicht Tai Lung, der eigentlich viel zu harmlos geraten ist, eine glaubhafte und sogar sehr lustige Stimme zu schenken.
Womit wir beim Humor von Kung Fu Panda angelangt wären. Es war der ausdrückliche Plan der Produzentin Melissa Cobb, den Film von Anspielungen jeglicher Art zu säubern. Und das war ein unglaublich grosser Fehler. Anspielungen auf andere Filme und aktuelle Dinge waren bisher nämlich das Salz in der Suppe bei DreamWorks-Werken. Und nun bekommt man eine anspielungsolse, fade Durchschnittssuppe vorgelegt, bei der man so gut wie nicht lacht. Daran ist zu einem guten Teil sicher auch das Drehbuch schuld. Ohne Anspielungen kann man zwar auch witzig sein, doch leider ist Kung Fu Panda so gewöhnlich wie die Tatsache, dass der Kinosaal dunkel wird, wenn der Film anfängt. Storytechnisch ist der Film schon fast eine Katastrophe.
Kitschige Szene reiht sich an kitschige Szene. Dazu wird der Aufstieg des dicken Tollpatschs zum Helden, der alle rettet noch nicht einmal im Enferntesten originell erzählt. Lediglich beim Finale, das - verglichen mit dem Rest des Films - richtiggehend furios ist, wurden die gängigen Pfade verlassen und in bester Simpsons-Manier die Absurdität gefeiert. Doch leider dauert dieses "Spektakel" gerade mal etwa zehn Minuten.
Doch ganz so schlecht ist Kung Fu Panda auch wieder nicht. Obwohl er vor allem im Mittelteil grauenhaft langweilig ist, kann man sich immer an hervorragenden Animationen und einer sehr guten "Kameraführung" erfreuen. Viele der animierten Aufnahmen sind herrliche Bildnisse eines Fanatsie-Chinas. Und obwohl die Figur im Prinzip ziemlich abgedroschen wirkt, ist der Vater des Pandas Po - eine Ente wohlgemerkt - wohl das Sympathischste am ganzen Film (das Witzigste sind Tai Lung, Mantis, der Affe, das Ende und diverse gelungene Slapstick-Einlagen).
Kung Fu Panda ist ein Schlag ins Wasser. Der Film hat keine gute Story, kein gutes Drehbuch, ist stellenweise langweilig und ist kitschig wie lang kein Film mehr. Doch dank guten Effekten, einigen guten Szenen und schönen Aufnahmen, wurde man vom ganz grossen Desaster verschont. Dennoch wird Kung Fu Panda - so kann man nur hoffen - bald ins Dunkel der Filmgeschichte verschwinden und einem leuchtenden und stummen Stern den Weg freimachen: WALL-E.
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