1. In Bruges
2. WALL·E
3. No Country for Old Men
4. I'm Not There
5. The Dark Knight
6. Burn After Reading
7. Juno
8. Before the Devil Knows You're Dead
9. Tropic Thunder
10. Bienvenue chez les Ch'tis
Mittwoch, 31. Dezember 2008
Samstag, 27. Dezember 2008
Religulous
5 Sterne
Es ist schwierig genug, Religion öffentlich zu kritisieren. Noch schwieriger ist es aber, Religion öffentlich lächerlich zu machen, denn dann können sich die Theisten nicht einmal mehr auf eine Diskussion einlassen. Wenn über Religionen gelacht wird, dann spüren ihre Anhänger, dass ihr Glauben sozusagen als Irrglauben entlarvt wird und das macht sie wütend. Welche Konsequenzen diese religiöse Wut haben kann, wurde uns im Jahre 2005 verdeutlicht, als in der muslimischen Welt wütende Proteste entbrannten, weil ein dänischer Karikaturist Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlichte. Dass Religulous auch mit derartigen Folgen zu rechnen hat, ist unwahrscheinlich. Dennoch stellt sich einem die Frage während des ganzen Films.
Der Regisseur der Doku Religulous ist kein Unbekannter: Larry Charles inszenierte 2003 den trashigen Musikfilm Masked and Anonymous und 2006 die brachiale Pseudodoku Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan. Vor allem der zweitgenannte Film schlug hohe Wellen und sorgte unter anderem dafür, dass mehrere kasachische Regierungsvertreter sich in der Presse gegen Sacha Baron Cohen in derbster Weise äusserten. Dafür wird bei Religulous die Presse gar nicht erst bemüht - die Tiraden gegen den Interviewer Bill Maher erfolgen bereits im Film. Doch dieser gibt die Beschimpfungen jeweils ungerührt zurück. Das Konzept des Films ist einfach: Zunächst bereist der Stand-Up-Comedian Maher die USA und führt Gespräche mit allerlei Leuten. So spricht er mit dem Senator von Arkansas, einem Jesus-Darsteller, Lastwagenfahrern und christlichen Wissenschaftlern. Er selbst ist überzeugter Atheist, der seine Gesprächspartner jeweils arg ins Schleudern bringt und sie mit provokanten, aber gut durchdachten Fragen aufs Glatteis führt. Doch seine Reise ist nicht auf Amerika beschränkt! Maher verschlägt es auch in den Vatikan, nach Jerusalem und an den Ort, wo angeblich die Apokalypse beginnen sollte - und dabei handelt es sich nicht um das CERN in Genf. Wer sich fragt, wie Bill Maher an seine Interviewpartner, die sich mehrmals ziemlich veräppelt vorkommen, rankam, dem sei gesagt, dass die Crew von Religulous hervorragend getarnt war. Unter dem Vorwand, eine Dokumentation mit dem Titel A Spiritual Journey zu drehen, kam Maher an die Leute heran - und überfiel sie dann sogleich mit kritischen und teilweise etwas gar herablassenden Fragen. Doch das allein macht den Film nicht aus. Religulous ist voll von ironischen Untertiteln - etwa wenn das Handy des Imams läutet (!) und unten eingeblendet wird: "Death 2 Bill Maher! LOL" oder erklärend steht "He has got no doctor's degree." - fetziger Musik und filmischen Einspielungen - entweder um das Geschehen zu kommentieren oder anhand eines Beispiels zu zeigen, wie lächerlich sich der Befragte gerade gemacht hat. Doch er benutzt auch Dinge wie Zitate amerikanischer Gründerväter, um zu beweisen, dass Amerika nicht auf dem Grundsatz des Glaubens gegründet wurde. Durch diese Stilmittel wird Religulous zur vollendeten Komödie, der es aber trotzdem auf Tatsachenforschung ankommt. Es lässt sich ohne Übertreibung sagen, dass der Film zu den lustigsten des Jahres gehört, wohl nur noch übertroffen von Burn After Reading und Tropic Thunder.
Dokumentationen lassen sich nicht besonders einfach kritisieren, vor allem eine wie Religulous. Selten liess sich so genau sagen, wem ein Film gefallen wird und wem nicht. Larry Charles' neuster Streich wird Atheisten und Zynikern gefallen. Er wird die Leute unterhalten, die gerne sehen, wie Leute blossgestellt werden, die gerne sehen, wie ein Franziskaner sagt, die Kirche beleidige alles, was Jesus wollte. Gläubige und Zartbesaitete wird er vor den Kopf stossen und beleidigen. Das macht aber nichts, denn der Film ist nicht für sie gemacht. Religulous wurde gedreht, damit sich Atheisten erheben, um die Religion zu stürzen - eine sehr radikale Aussage, vielleicht sogar zu radikal ("Religion must die, so mankind can live!"). In erster Linie soll aber auf den hohen Unterhaltungswert des Films hingewiesen werden. Es wird zwar 100 Minuten lang fast nur geredet, aber immer dann, wenn man sich denkt, man habe es jetzt gesehen, kommt wieder ein neuer Aspekt der Religionskritik hervor und man ist wieder voll bei der Sache.
Wird Religulous die Leute auf die Strasse treiben? Die Antwort lautet: Nein. Dafür gibt es zwei Gründe: Bill Maher ist bei Theisten aller Art bereits verhasst, viel verscherzt hat er sich mit dem Film also nicht. Der zweite Grund ist, dass das Ansinnen des Films vollkommen klar ist. Die Tiraden gegen die Religion kommen überhaupt nicht unerwartet.
Es lohnt sich nicht, noch länger über Religulous zu referieren. Jedem, der nach dieser Kritik nun denkt, der Film wäre etwas für ihn, dem sei er empfohlen. Alle anderen sollen sich nur bewusst sein, dass Religion nicht zum ersten Mal ausgelacht wird. Da es sich bei diesem Schreiberling um einen Atheisten handelt, dürfte sein Verdikt klar sein: Religulous gehört zu den besten Dokumentarfilmen seit Jahren!
Es ist schwierig genug, Religion öffentlich zu kritisieren. Noch schwieriger ist es aber, Religion öffentlich lächerlich zu machen, denn dann können sich die Theisten nicht einmal mehr auf eine Diskussion einlassen. Wenn über Religionen gelacht wird, dann spüren ihre Anhänger, dass ihr Glauben sozusagen als Irrglauben entlarvt wird und das macht sie wütend. Welche Konsequenzen diese religiöse Wut haben kann, wurde uns im Jahre 2005 verdeutlicht, als in der muslimischen Welt wütende Proteste entbrannten, weil ein dänischer Karikaturist Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlichte. Dass Religulous auch mit derartigen Folgen zu rechnen hat, ist unwahrscheinlich. Dennoch stellt sich einem die Frage während des ganzen Films.
Der Regisseur der Doku Religulous ist kein Unbekannter: Larry Charles inszenierte 2003 den trashigen Musikfilm Masked and Anonymous und 2006 die brachiale Pseudodoku Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan. Vor allem der zweitgenannte Film schlug hohe Wellen und sorgte unter anderem dafür, dass mehrere kasachische Regierungsvertreter sich in der Presse gegen Sacha Baron Cohen in derbster Weise äusserten. Dafür wird bei Religulous die Presse gar nicht erst bemüht - die Tiraden gegen den Interviewer Bill Maher erfolgen bereits im Film. Doch dieser gibt die Beschimpfungen jeweils ungerührt zurück. Das Konzept des Films ist einfach: Zunächst bereist der Stand-Up-Comedian Maher die USA und führt Gespräche mit allerlei Leuten. So spricht er mit dem Senator von Arkansas, einem Jesus-Darsteller, Lastwagenfahrern und christlichen Wissenschaftlern. Er selbst ist überzeugter Atheist, der seine Gesprächspartner jeweils arg ins Schleudern bringt und sie mit provokanten, aber gut durchdachten Fragen aufs Glatteis führt. Doch seine Reise ist nicht auf Amerika beschränkt! Maher verschlägt es auch in den Vatikan, nach Jerusalem und an den Ort, wo angeblich die Apokalypse beginnen sollte - und dabei handelt es sich nicht um das CERN in Genf. Wer sich fragt, wie Bill Maher an seine Interviewpartner, die sich mehrmals ziemlich veräppelt vorkommen, rankam, dem sei gesagt, dass die Crew von Religulous hervorragend getarnt war. Unter dem Vorwand, eine Dokumentation mit dem Titel A Spiritual Journey zu drehen, kam Maher an die Leute heran - und überfiel sie dann sogleich mit kritischen und teilweise etwas gar herablassenden Fragen. Doch das allein macht den Film nicht aus. Religulous ist voll von ironischen Untertiteln - etwa wenn das Handy des Imams läutet (!) und unten eingeblendet wird: "Death 2 Bill Maher! LOL" oder erklärend steht "He has got no doctor's degree." - fetziger Musik und filmischen Einspielungen - entweder um das Geschehen zu kommentieren oder anhand eines Beispiels zu zeigen, wie lächerlich sich der Befragte gerade gemacht hat. Doch er benutzt auch Dinge wie Zitate amerikanischer Gründerväter, um zu beweisen, dass Amerika nicht auf dem Grundsatz des Glaubens gegründet wurde. Durch diese Stilmittel wird Religulous zur vollendeten Komödie, der es aber trotzdem auf Tatsachenforschung ankommt. Es lässt sich ohne Übertreibung sagen, dass der Film zu den lustigsten des Jahres gehört, wohl nur noch übertroffen von Burn After Reading und Tropic Thunder.
Dokumentationen lassen sich nicht besonders einfach kritisieren, vor allem eine wie Religulous. Selten liess sich so genau sagen, wem ein Film gefallen wird und wem nicht. Larry Charles' neuster Streich wird Atheisten und Zynikern gefallen. Er wird die Leute unterhalten, die gerne sehen, wie Leute blossgestellt werden, die gerne sehen, wie ein Franziskaner sagt, die Kirche beleidige alles, was Jesus wollte. Gläubige und Zartbesaitete wird er vor den Kopf stossen und beleidigen. Das macht aber nichts, denn der Film ist nicht für sie gemacht. Religulous wurde gedreht, damit sich Atheisten erheben, um die Religion zu stürzen - eine sehr radikale Aussage, vielleicht sogar zu radikal ("Religion must die, so mankind can live!"). In erster Linie soll aber auf den hohen Unterhaltungswert des Films hingewiesen werden. Es wird zwar 100 Minuten lang fast nur geredet, aber immer dann, wenn man sich denkt, man habe es jetzt gesehen, kommt wieder ein neuer Aspekt der Religionskritik hervor und man ist wieder voll bei der Sache.
Wird Religulous die Leute auf die Strasse treiben? Die Antwort lautet: Nein. Dafür gibt es zwei Gründe: Bill Maher ist bei Theisten aller Art bereits verhasst, viel verscherzt hat er sich mit dem Film also nicht. Der zweite Grund ist, dass das Ansinnen des Films vollkommen klar ist. Die Tiraden gegen die Religion kommen überhaupt nicht unerwartet.
Es lohnt sich nicht, noch länger über Religulous zu referieren. Jedem, der nach dieser Kritik nun denkt, der Film wäre etwas für ihn, dem sei er empfohlen. Alle anderen sollen sich nur bewusst sein, dass Religion nicht zum ersten Mal ausgelacht wird. Da es sich bei diesem Schreiberling um einen Atheisten handelt, dürfte sein Verdikt klar sein: Religulous gehört zu den besten Dokumentarfilmen seit Jahren!
Sonntag, 26. Oktober 2008
In the Heat of the Night
5 Sterne
Das Problem am Medium Film ist, dass es kaum möglich ist, ein Werk zu schaffen, welches dem Zahn der Zeit entgeht. Man kann auf zeitlose Metaphern wie It's a Wonderful Life, Rashōmon oder Det sjunde inseglet (dt.: Das siebente Siegel von Ingmar Bergmann) verweisen, doch wenn man ehrlich ist, trifft man in der gut 90-jährigen Filmgeschichte nicht auf eine überwältigende Anzahl Filme dieser Art. Dennoch ist es vom heutigen Standpunkt aus interessant zu sehen, was Filmschaffende vor mehreren Jahrzehnten umtrieb. Ein spannendes Beispiel ist Norman Jewisons Rassenproblematikfilm In the Heat of the Night. Gedreht wurde er 1967 - ein Jahr vor dem Tod von Martin Luther King Jr. und somit dem nominellen Ende der geistigen Rassenternnung in den USA - und zeigt die Situation im Deep South sehr anschaulich auf. Zwar scheint der Film heute nicht mehr sonderlich aktuell zu sein - ganz genau lässt sich das allerdings nicht feststellen - doch er ist auch nach heutigen Standards spannend und eindringlich.
Die wohl berühmteste Szene aus In the Heat of the Night spiegelt hervorragend die Situation im Süden der USA während den 60er-Jahren wider: Der professionelle, schwarze Cop aus dem Norden, Virgil Tibbs, wird vom kleinstädtischen Inspektor Gillespie spöttisch gefragt, wie man ihn denn da oben in Philadelphia nenne, wenn nicht "Boy", woraufhin der sonst ruhige und besonnene Virgil mit donnernder Stimme entgegnet "They call me MISTER Tibbs!". Das Bild geht wunderbar auf: Während fast in den ganzen USA Schwarze in hohen Positionen arbeiten, pochen die Südstaatler auf der Ehre der Dixies und verweigern den Afroamerikanern das Existenzrecht. Auf diesem Problem baut auch der Roman von John Ball, auf welchem In the Heat of the Night basiert, auf. Die Story ist auf den ersten Blick zwar relativ einfach - Ein schwarzer Polizist wird im Süden festgenommen und wieder freigelassen und muss den hiesigen Behörden beim Aufklären eines Falls helfen, wobei er immer wieder mit rassistischen Affronts zu kämpfen hat. - zeigt aber ein interessantes und vielschichtiges Sittenbild der Südstaaten auf. Denn es wurde nicht nur Rassismus und Toleranz thematisiert, sondern es wurde neben der Geselllschaftskritik auch ein brillanter Spannungsbogen kreiert, der den Leser richtiggehend fesselt. Diese hochkarätige Vorlage wurde von Norman Jewison bzw. seinem Drehbuchautoren Stirling Silliphant sehr gewissenhaft umgesetzt. Zwar wurde auf dem ernsten Grundton des Buches verweilt, doch vor allem in den Dialogen zwischen Virgil Tibbs und Bill Gillespie schwingt auch eine gesunde Prise Lakonik mit. Vorgetragen wird diese von Sidney Poitier und Rod Steiger - zum Zeitpunkt des Erscheinens des Films bereits arrivierte Filmstars. Poitier gibt mit Virgil Tibbs eine für ihn sehr typische Rolle. Sein Durchbruch gelang ihm 1958 in Stanley Kramers Film The Defiant Ones - auch ein Film über Rassismus - und war der erste Schwarze, der eine Liebesszene mit einer Weissen spielte (Guess Who's Coming to Dinner) und dafür akzeptiert wurde. Seine typische Rolle ist die des gebildeten Afroamerikaners, welche der hochtalentierte Schauspieler - er nennt zwei Oscars sein Eigen - auch in In the Heat of the Night exzessiv spielen darf. Neben ihm - beinahe zur Nebenfigur degradiert - agiert Rod Steiger, der den Polizeichef Gillespie in bester Method-Actor-Manier gibt. Doch auch wenn einem Method-Actors suspekt sein sollten, beeindruckt Steiger mit einer Performance, die den Zuschauer immer zweifeln lässt, ob man jetzt mit Gillespie sympathisieren sollte oder nicht. Leider wirken die Stimmungsschwankungen von Steigers Figur nicht immer ganz glaubwürdig, doch an dessen Spiel liegt dies eher nicht. Der Fehler ist hier wohl beim Drehbuch zu suchen, welches hie und da doch einen etwas unverständlichen Bocksprung vollführt. Diese Mängel werden aber durch drastischere Szenen, die gut gemeinte und professionell vorgetragene Message und die Dialoge des Profis Tibbs mit den Laien von der kleinstädtischen Polizei von Mississippi ausgebügelt. Alles in allem geht der Oscar für das beste adpatierte Drehbuch in Ordnung, wenn man vor allem auf gekonnte Dialoge achtet.
Nun stellt sich natürlich die Frage, ob In the Heat of the Night heute noch jemanden vom Hocker reissen kann. Es ist klar, dass die Rassismusfrage in der Zwischenzeit zumindest in den USA zu einem schönen Teil gelöst ist. Der Film von Norman Jewison hat aber unverkennbar Spuren hinterlassen. Alan Parkers Mississppi Burning, der Rassisums in den 80er-Jahren "aufdeckt" ist ohne Zweifel an In the Heat of the Night angelehnt. Und auch jetzt - 41 Jahre nach In the Heat of the Night, 20 Jahre nach Mississippi Burning - interessiert das Thema Rassismus noch immer. Einerseits weil man seine Vorurteile gegenüber dem amerikanischen Süden gerne bestätigt sieht, andererseits weil man ein klares Muster von Gut und Böse seviert bekommt. Dies hört sich jetzt möglicherweise etwas trivial an, ist aber auf keinen Fall beleidigend gemeint. Es soll nur unterstrichen werden, dass In the Heat of the Night auf geniale Weise publikumskonform gedreht wurde. Natürlich schockierte die Aussage des Films. Natürlich kam er in den Südstaaten nicht gut an. Aber der Hauptpunkt ist, dass er die Massen mit mehr als einem schlichten Aufruf nach der Gleichberechtigung der Rassen ins Kino lockte - mit moderater Action, einigen lockeren Szenen und einem nervenaufreibenden Spannungsbogen. Wenn es je einem Film gelungen ist, eine ernste politische Thematik wirksam zu verkaufen, dann In the Heat of the Night.
Der Film staubte bei den Oscars 1968 fünf Auszeichnungen (bei sieben Nominationen) ab - inklusive "Bester Film" und "Bester Hauptdarsteller" (Rod Steiger). Diese Ehrungen sind keinesfalls übertrieben. In the Heat of the Night ist ein hochinteressanter und spannender Thriller, der mit guten Darstellern und einem gut geschriebenen Drehbuch besticht. Die Darstellung von Gewalt von Weissen an Schwarzen ruft auch heute noch wütende Gefühle hervor und damit wäre wohl das Ziel erreicht.
Das Problem am Medium Film ist, dass es kaum möglich ist, ein Werk zu schaffen, welches dem Zahn der Zeit entgeht. Man kann auf zeitlose Metaphern wie It's a Wonderful Life, Rashōmon oder Det sjunde inseglet (dt.: Das siebente Siegel von Ingmar Bergmann) verweisen, doch wenn man ehrlich ist, trifft man in der gut 90-jährigen Filmgeschichte nicht auf eine überwältigende Anzahl Filme dieser Art. Dennoch ist es vom heutigen Standpunkt aus interessant zu sehen, was Filmschaffende vor mehreren Jahrzehnten umtrieb. Ein spannendes Beispiel ist Norman Jewisons Rassenproblematikfilm In the Heat of the Night. Gedreht wurde er 1967 - ein Jahr vor dem Tod von Martin Luther King Jr. und somit dem nominellen Ende der geistigen Rassenternnung in den USA - und zeigt die Situation im Deep South sehr anschaulich auf. Zwar scheint der Film heute nicht mehr sonderlich aktuell zu sein - ganz genau lässt sich das allerdings nicht feststellen - doch er ist auch nach heutigen Standards spannend und eindringlich.
Die wohl berühmteste Szene aus In the Heat of the Night spiegelt hervorragend die Situation im Süden der USA während den 60er-Jahren wider: Der professionelle, schwarze Cop aus dem Norden, Virgil Tibbs, wird vom kleinstädtischen Inspektor Gillespie spöttisch gefragt, wie man ihn denn da oben in Philadelphia nenne, wenn nicht "Boy", woraufhin der sonst ruhige und besonnene Virgil mit donnernder Stimme entgegnet "They call me MISTER Tibbs!". Das Bild geht wunderbar auf: Während fast in den ganzen USA Schwarze in hohen Positionen arbeiten, pochen die Südstaatler auf der Ehre der Dixies und verweigern den Afroamerikanern das Existenzrecht. Auf diesem Problem baut auch der Roman von John Ball, auf welchem In the Heat of the Night basiert, auf. Die Story ist auf den ersten Blick zwar relativ einfach - Ein schwarzer Polizist wird im Süden festgenommen und wieder freigelassen und muss den hiesigen Behörden beim Aufklären eines Falls helfen, wobei er immer wieder mit rassistischen Affronts zu kämpfen hat. - zeigt aber ein interessantes und vielschichtiges Sittenbild der Südstaaten auf. Denn es wurde nicht nur Rassismus und Toleranz thematisiert, sondern es wurde neben der Geselllschaftskritik auch ein brillanter Spannungsbogen kreiert, der den Leser richtiggehend fesselt. Diese hochkarätige Vorlage wurde von Norman Jewison bzw. seinem Drehbuchautoren Stirling Silliphant sehr gewissenhaft umgesetzt. Zwar wurde auf dem ernsten Grundton des Buches verweilt, doch vor allem in den Dialogen zwischen Virgil Tibbs und Bill Gillespie schwingt auch eine gesunde Prise Lakonik mit. Vorgetragen wird diese von Sidney Poitier und Rod Steiger - zum Zeitpunkt des Erscheinens des Films bereits arrivierte Filmstars. Poitier gibt mit Virgil Tibbs eine für ihn sehr typische Rolle. Sein Durchbruch gelang ihm 1958 in Stanley Kramers Film The Defiant Ones - auch ein Film über Rassismus - und war der erste Schwarze, der eine Liebesszene mit einer Weissen spielte (Guess Who's Coming to Dinner) und dafür akzeptiert wurde. Seine typische Rolle ist die des gebildeten Afroamerikaners, welche der hochtalentierte Schauspieler - er nennt zwei Oscars sein Eigen - auch in In the Heat of the Night exzessiv spielen darf. Neben ihm - beinahe zur Nebenfigur degradiert - agiert Rod Steiger, der den Polizeichef Gillespie in bester Method-Actor-Manier gibt. Doch auch wenn einem Method-Actors suspekt sein sollten, beeindruckt Steiger mit einer Performance, die den Zuschauer immer zweifeln lässt, ob man jetzt mit Gillespie sympathisieren sollte oder nicht. Leider wirken die Stimmungsschwankungen von Steigers Figur nicht immer ganz glaubwürdig, doch an dessen Spiel liegt dies eher nicht. Der Fehler ist hier wohl beim Drehbuch zu suchen, welches hie und da doch einen etwas unverständlichen Bocksprung vollführt. Diese Mängel werden aber durch drastischere Szenen, die gut gemeinte und professionell vorgetragene Message und die Dialoge des Profis Tibbs mit den Laien von der kleinstädtischen Polizei von Mississippi ausgebügelt. Alles in allem geht der Oscar für das beste adpatierte Drehbuch in Ordnung, wenn man vor allem auf gekonnte Dialoge achtet.
Nun stellt sich natürlich die Frage, ob In the Heat of the Night heute noch jemanden vom Hocker reissen kann. Es ist klar, dass die Rassismusfrage in der Zwischenzeit zumindest in den USA zu einem schönen Teil gelöst ist. Der Film von Norman Jewison hat aber unverkennbar Spuren hinterlassen. Alan Parkers Mississppi Burning, der Rassisums in den 80er-Jahren "aufdeckt" ist ohne Zweifel an In the Heat of the Night angelehnt. Und auch jetzt - 41 Jahre nach In the Heat of the Night, 20 Jahre nach Mississippi Burning - interessiert das Thema Rassismus noch immer. Einerseits weil man seine Vorurteile gegenüber dem amerikanischen Süden gerne bestätigt sieht, andererseits weil man ein klares Muster von Gut und Böse seviert bekommt. Dies hört sich jetzt möglicherweise etwas trivial an, ist aber auf keinen Fall beleidigend gemeint. Es soll nur unterstrichen werden, dass In the Heat of the Night auf geniale Weise publikumskonform gedreht wurde. Natürlich schockierte die Aussage des Films. Natürlich kam er in den Südstaaten nicht gut an. Aber der Hauptpunkt ist, dass er die Massen mit mehr als einem schlichten Aufruf nach der Gleichberechtigung der Rassen ins Kino lockte - mit moderater Action, einigen lockeren Szenen und einem nervenaufreibenden Spannungsbogen. Wenn es je einem Film gelungen ist, eine ernste politische Thematik wirksam zu verkaufen, dann In the Heat of the Night.
Der Film staubte bei den Oscars 1968 fünf Auszeichnungen (bei sieben Nominationen) ab - inklusive "Bester Film" und "Bester Hauptdarsteller" (Rod Steiger). Diese Ehrungen sind keinesfalls übertrieben. In the Heat of the Night ist ein hochinteressanter und spannender Thriller, der mit guten Darstellern und einem gut geschriebenen Drehbuch besticht. Die Darstellung von Gewalt von Weissen an Schwarzen ruft auch heute noch wütende Gefühle hervor und damit wäre wohl das Ziel erreicht.
Mittwoch, 22. Oktober 2008
Wrestling Ernest Hemingway
4.5 Sterne
In der Filmgeschichte gibt es eine nicht ganz kurze Epoche, die viele Filmfreaks erschauern lässt: die Komödienzeit der 80er- und 90er-Jahre. Die Filme dieser Zeit sind uns grösstenteils deshalb bekannt, weil sie immer mal wieder im Abendprogramm von RTL und VOX zu sehen sind. Zwar ist fast keiner der Filme so richtig schlecht - es finden sich sogar einige Perlen darunter (Groundhog Day, Trading Places, Planes, Trains and Automobiles) - doch anfreunden will man sich mit ihnen nicht so recht - dies mag unter anderem auch an den etwas antiquierten Synchronisationen liegen. Ein eher unauffälliger Film aus dieser Sparte - Wrestling Ernest Hemingway aus dem Jahre 1993 - passt perfekt in diese Reihe. Er ist nicht allzu ehrgeizig, aber dennoch einfühlsam und auf eine angenehme Weise absurd.
Nimmt man Wrestling Ernest Hemingway etwas genauer unter die Lupe, wird man sich zuerst wohl unweigerlich fragen, ob es sich beim Cast um einen Irrtum handelt. Man erblickt sofort Namen wie Robert Duvall, Richard Harris, Shirley MacLaine und Sandra Bullock, welche man allesamt nicht in einem derartigen Film erwarten würde. Sollten sich die inzwischen schön etablierten Vorurteile gegenüber 80er- und 90er-Jahre-Komödien etwa als falsch erweisen? Oder stellt Wrestling Ernest Hemingway - allein schon der Titel ist einen Schmunzler wert - die berühmte Ausnahme der Regel dar? Weder noch. Doch der Reihe nach: Die Darsteller sind ein Hingucker, ganz ohne Frage. Wrestling Ernest Hemingway bietet Schauspielleistungen auf höchstem Nieveau. Die beiden Hauptakteure - Richard Harris und Robert Duvall - spielen absolut glaubwürdig und verleihen ihren schrulligen Figuren den nötigen Charme und viel Charakter. Besonders Duvall besticht durch das glaubwürdige Spielen des naiven Walter, der sich in die für ihn viel zu junge Elaine (Sandra Bullock kurz vor ihrem Durchbruch mit Speed) verliebt. Doch auch Richard Harris ist ein Hochgenuss, besonders wenn er wieder angibt, wie viele Frauen er in seinem Leben bereits gehabt hat, oder zum hundertsten Mal wiederholt, wie toll seine Mütze ist.
Leider schürt der deutsche Titel des Films - Walter & Frank - Ein schräges Paar - die falsche Erwartung: Man erwartet einen Buddy-Dialogfilm à la The Odd Couple. Dabei ist Wrestling Ernest Hemingway ein bedächtiger Film, der auch nicht davor zurückschreckt tragische Seiten des Lebens aufzuzeigen - besonders das Leben älterer Herren, die sich langsam mit der Endlichkeit des Daseins auseinanderzusetzen haben. So werden etwa Themen wie Entfremdung und Schrulligkeit angesprochen, ohne jedoch auf die Tränendrüse zu drücken. Im Gegenteil: Auch ernstere Passagen sind mit gutem, zuweilen gar abstrusem Humor gespickt, welche einem selbst in der traurigsten Szene noch ein Lächeln bescheren können.
Drehbuchautor Steve Conrad hat seine Aufgabe, eine solide Tragikomödie zu schreiben sehr gut erfüllt, obwohl gesagt werden muss, dass einige Witzchen, die eher in die Kategorie "flau" fallen, zu stark strapaziert wurden, was bei 123 Minuten Laufzeit auch einen kleinen Überdruss zur Folge haben kann. Doch andererseits heben herrliche Dialoge zwischen Richard Harris und Robert Duvall oder Shirley MacLaine den Film in flacheren Momenten wieder auf ein höheres Niveau zurück. Wunderschön wurde überdies die Naivität von Walter beschrieben, der in seinen extremsten Momenten ein bisschen an Raymond Babbit aus Rain Man erinnert.
Wrestling Ernest Hemingway spielt im Rentnerparadies Florida, welches zwar von Routinier Lajos Koltai schön in Szene gesetzt wurde, aber in keinster Weise etwas Neues zu bieten hat. Es werden überwiegend sonnige und entspannte Bilder gezeigt, die sehr konventionell gemacht wurden, aber immerhin die Augen des Zuschauers zu erfreuen vermögen. Auf der anderen Seite passen die Bilder hervorragend zur kubanischen Musikuntermalung, welche einen den ganzen Film hindurch berieselt.
Man kann sich über die 80er- und 90er-Jahre-Komödien sagen, was man will, aber ihr Charme und ihr nostalgischer Wert ist nur schwer zu übetrumpfen. So ist auch Wrestling Ernest Hemingway ein vergnügliches Lehrstück über das Altern. Will man einmal zwei Stunden entspanntes (Heim-)Kino geniessen, dann empfiehlt sich Randa Haines' Film wirklich. Und nicht vergessen: Sollte es keine Specksandwiches auf der Speisekarte im Lieblingsrestaurant haben, dann kann man sich einfach die nötigen Zutaten bestellen und sich selbst eins machen.
In der Filmgeschichte gibt es eine nicht ganz kurze Epoche, die viele Filmfreaks erschauern lässt: die Komödienzeit der 80er- und 90er-Jahre. Die Filme dieser Zeit sind uns grösstenteils deshalb bekannt, weil sie immer mal wieder im Abendprogramm von RTL und VOX zu sehen sind. Zwar ist fast keiner der Filme so richtig schlecht - es finden sich sogar einige Perlen darunter (Groundhog Day, Trading Places, Planes, Trains and Automobiles) - doch anfreunden will man sich mit ihnen nicht so recht - dies mag unter anderem auch an den etwas antiquierten Synchronisationen liegen. Ein eher unauffälliger Film aus dieser Sparte - Wrestling Ernest Hemingway aus dem Jahre 1993 - passt perfekt in diese Reihe. Er ist nicht allzu ehrgeizig, aber dennoch einfühlsam und auf eine angenehme Weise absurd.
Nimmt man Wrestling Ernest Hemingway etwas genauer unter die Lupe, wird man sich zuerst wohl unweigerlich fragen, ob es sich beim Cast um einen Irrtum handelt. Man erblickt sofort Namen wie Robert Duvall, Richard Harris, Shirley MacLaine und Sandra Bullock, welche man allesamt nicht in einem derartigen Film erwarten würde. Sollten sich die inzwischen schön etablierten Vorurteile gegenüber 80er- und 90er-Jahre-Komödien etwa als falsch erweisen? Oder stellt Wrestling Ernest Hemingway - allein schon der Titel ist einen Schmunzler wert - die berühmte Ausnahme der Regel dar? Weder noch. Doch der Reihe nach: Die Darsteller sind ein Hingucker, ganz ohne Frage. Wrestling Ernest Hemingway bietet Schauspielleistungen auf höchstem Nieveau. Die beiden Hauptakteure - Richard Harris und Robert Duvall - spielen absolut glaubwürdig und verleihen ihren schrulligen Figuren den nötigen Charme und viel Charakter. Besonders Duvall besticht durch das glaubwürdige Spielen des naiven Walter, der sich in die für ihn viel zu junge Elaine (Sandra Bullock kurz vor ihrem Durchbruch mit Speed) verliebt. Doch auch Richard Harris ist ein Hochgenuss, besonders wenn er wieder angibt, wie viele Frauen er in seinem Leben bereits gehabt hat, oder zum hundertsten Mal wiederholt, wie toll seine Mütze ist.
Leider schürt der deutsche Titel des Films - Walter & Frank - Ein schräges Paar - die falsche Erwartung: Man erwartet einen Buddy-Dialogfilm à la The Odd Couple. Dabei ist Wrestling Ernest Hemingway ein bedächtiger Film, der auch nicht davor zurückschreckt tragische Seiten des Lebens aufzuzeigen - besonders das Leben älterer Herren, die sich langsam mit der Endlichkeit des Daseins auseinanderzusetzen haben. So werden etwa Themen wie Entfremdung und Schrulligkeit angesprochen, ohne jedoch auf die Tränendrüse zu drücken. Im Gegenteil: Auch ernstere Passagen sind mit gutem, zuweilen gar abstrusem Humor gespickt, welche einem selbst in der traurigsten Szene noch ein Lächeln bescheren können.
Drehbuchautor Steve Conrad hat seine Aufgabe, eine solide Tragikomödie zu schreiben sehr gut erfüllt, obwohl gesagt werden muss, dass einige Witzchen, die eher in die Kategorie "flau" fallen, zu stark strapaziert wurden, was bei 123 Minuten Laufzeit auch einen kleinen Überdruss zur Folge haben kann. Doch andererseits heben herrliche Dialoge zwischen Richard Harris und Robert Duvall oder Shirley MacLaine den Film in flacheren Momenten wieder auf ein höheres Niveau zurück. Wunderschön wurde überdies die Naivität von Walter beschrieben, der in seinen extremsten Momenten ein bisschen an Raymond Babbit aus Rain Man erinnert.
Wrestling Ernest Hemingway spielt im Rentnerparadies Florida, welches zwar von Routinier Lajos Koltai schön in Szene gesetzt wurde, aber in keinster Weise etwas Neues zu bieten hat. Es werden überwiegend sonnige und entspannte Bilder gezeigt, die sehr konventionell gemacht wurden, aber immerhin die Augen des Zuschauers zu erfreuen vermögen. Auf der anderen Seite passen die Bilder hervorragend zur kubanischen Musikuntermalung, welche einen den ganzen Film hindurch berieselt.
Man kann sich über die 80er- und 90er-Jahre-Komödien sagen, was man will, aber ihr Charme und ihr nostalgischer Wert ist nur schwer zu übetrumpfen. So ist auch Wrestling Ernest Hemingway ein vergnügliches Lehrstück über das Altern. Will man einmal zwei Stunden entspanntes (Heim-)Kino geniessen, dann empfiehlt sich Randa Haines' Film wirklich. Und nicht vergessen: Sollte es keine Specksandwiches auf der Speisekarte im Lieblingsrestaurant haben, dann kann man sich einfach die nötigen Zutaten bestellen und sich selbst eins machen.
Sonntag, 12. Oktober 2008
Burn After Reading
5.5 Sterne
Die Gebrüder Joel und Ethan Coen - für viele die besten Regisseure unserer Zeit - fühlen sich nicht so richtig wohl, wenn ihre Arbeit von der Allgemeinheit gelobt wird und sie mit Oscars belohnt werden. So drehten sie jeweils gleich im Anschluss an solche eher ernsten Projekte - Blood Simple, Fargo oder Barton Fink, der allerdings auch die etwas spinnerte Coen-Handschrift trägt - lustige, leichte und quasi bedeutungslose Filme - Raising Arizona, The Big Lebowski und O Brother, Where Art Thou?. Meistens waren diese Filme unter den Kritikern verpönt und genossen kein hohes Ansehen. Erst im Nachhinein wurde zum Beispiel die Genialität eines Dude (Jeff Bridges in The Big Lebowski) entdeckt. Auch Burn After Reading wird die Fanmasse von No Country For Old Men enttäuschen. Coen-Aficionados hingegen werden ihre helle Freude haben.
Wenn man sich auf Wikipedia über Joel und Ethan Coen schlau macht, entdeckt man das Kapitel "Stylistic Devices". Gewalt sei ein wiederkehrendes Stilmittel bei den beiden Brüdern, heisst es da. Auch Missverständnisse, Geld, verschiedene Darstellungen von Amerika und eine spezielle Form des Dialogs finden in diesem Kapitel Erwähnung. Alle diese Elemente findet man auch in Burn After Reading.
Die Brüder sagten bereits in mehreren Interviews, dass die Idee zu Burn After Reading eigentlich nur entstand, weil sie ein Drehbuch schreiben wollten, in welchem George Clooney, Brad Pitt, Frances McDormand, John Malkovich und Tilda Swinton vorkommen. Dieses Skript schien ihnen so gefallen zu haben, dass aus der Denkübung ein echter Film entstand, den sie gleich im Anschluss an No Country For Old Men drehten. Die Schauspieler werden auch der Hauptgrund sein, warum Otto Normalkinogänger Interesse am neuesten Werk der Coens bekunden wird. Die Darsteller spielen ganz im Sinne des Films: Niemand weiss, was er oder sie tun soll. Dies fängt beim heimlichen Helden von Burn After Reading - John Malkovich - an. Er spielt den CIA-Veteranen Osbourne Cox, der gerne mal einen über den Durst trinkt und das loseste Mundwerk in ganz Langley Falls besitzt. Sein Fluchen wird im Werk der Coen-Brüder wohl nur noch von Jeff und Walter in The Big Lebowski übertroffen und er ist sogar noch wütender und brutaler als Ralph Fiennes in Martin McDonaghs In Bruges. Unsympathisch? Natürlich! Aber damit ist er in Burn After Reading nicht allein. Katie Cox, gespielt von Oscar-Gewinnerin Tilda Swinton, ist eine eiskalte Zicke und wohl noch die intelligenteste Figur des Films, was allerdings nicht viel heisst. Swinton spielt hervorragend und gefällt hier sogar besser als in Michael Clayton. Ihr Gegenpart aus dem Anwaltsfilm mimt hier ihren Liebhaber: George Clooney schlüpfte in die Rolle des paranoiden Sexsüchtigen Harry Pfarrer und vollendet damit seine "Idioten-Trilogie" - nach O Brother, Where Art Thou? und Intolerable Cruelty. Er trifft leider nur einmal auf seinen guten Freund Brad Pitt, der wohl die nächste Kultfigur im Coen-Universum wird. Chad Feldheimer ist ein ausgemachter Schwachkopf, der Wörter, welche ihm nicht einfallen wollen mit "Shit" ersetzt, und dem es an Selbstvertrauen nicht mangelt. Und zu guter Letzt sollte man auch noch Frances McDormand, Ehefrau von Joel Coen, nicht vergessen. Ihre Figur ist zwar unscheinbar, aber genauso intrigant und unsympathisch wie der Grossteil der anderen Akteure. Sie bringt zudem eine sehr zynische Komponente - den amerikanischen Jugendwahn - sehr gekonnt rüber. In kleineren Rollen sind überdies noch J.K. Simmons und Richard Jenkins zu sehen, die beide einige Lacher zu verbuchen haben.
Worüber man sich bei Joel und Ethan Coen selten beschweren kann, ist das Drehbuch. Auch hier haben sie ein Meisterwerk sondergleichen geschrieben. Die ganze Erpressungsgeschichte ist in gesundem Masse überzeichnet und mit sehr viel Ironie gewürzt. Burn After Reading ist ein aufgeplusterter Agentenfilm, der alles andere als ernst gemeint ist und immer mehr in Verstrickungen und Verschwörungen abdriftet. Dennoch wird auf der Leinwand nicht herumgeblödelt, sondern es wird eine überaus spannende Geschichte erzählt, welche zwar etwas Denkarbeit erfordert, sich aber als nicht übertrieben kompliziert erweist, was ein problemloses Mitkommen ermöglicht. Einmal mehr begeistern auch die meisterhaft geschriebenen Dialoge der Coens. Jeder dämliche Spruch passt perfekt zur jeweiligen Figur, jedes "Fuck" ist brillant gesetzt und fügt sich herrlich in den Erzählfluss ein.
Leider holpert der Film während der Exposition einige Minuten lang etwas, doch das ist schnell vergessen - allein schon der Score von Carter Burwell, der geschickt mit Kontrapunktierungen arbeitet, ist ein Meisterstück sondergleichen. Vielfach werden Szenen mit einer bombastischen Orchestrierung unterlegt, sodass der Zuschauer sich der Sinnlosigkeit des Moments nicht einmal voll bewusst ist - ein gelungener Seitenhieb auf überkandidelte Agentenstreifen wie beispielsweise die Bourne-Trilogie.
Auch die Kameraführung erinnert an einen Spionagefilm, vor allem die Eingangssequenz, in welcher aus dem All in das CIA-Hauptquartier hineingezoomt wird. Dem Kameramann Emmanuel Lubetzki - bekannt aus Filmen wie Ali, Hearts in Atlantis oder Children of Men - soll an dieser Stelle in aller Form gratuliert werden.
Auch wenn man dabei sehr vereinfacht, könnte man sagen, dass Joel und Ethan Coen das Pixar der Realspielfilme sind. Kaum jemals liefern die beiden Regiegenies einen Flop ab und selbst schwächere Produktionen können in einzelnen Punkten begeistern. Burn After Reading wird vielen Zuschauern nicht gefallen, weil sich diese bereits an einen ernsten Umgangston à la No Country For Old Men gewöhnt haben. Burn After Reading ist alles andere als ernst - eher im Gegenteil. Der Film ist hervorragend gemacht, aber dennoch dämlich und verrückt. Davor kann man wirklich nur den Hut ziehen.
Die Gebrüder Joel und Ethan Coen - für viele die besten Regisseure unserer Zeit - fühlen sich nicht so richtig wohl, wenn ihre Arbeit von der Allgemeinheit gelobt wird und sie mit Oscars belohnt werden. So drehten sie jeweils gleich im Anschluss an solche eher ernsten Projekte - Blood Simple, Fargo oder Barton Fink, der allerdings auch die etwas spinnerte Coen-Handschrift trägt - lustige, leichte und quasi bedeutungslose Filme - Raising Arizona, The Big Lebowski und O Brother, Where Art Thou?. Meistens waren diese Filme unter den Kritikern verpönt und genossen kein hohes Ansehen. Erst im Nachhinein wurde zum Beispiel die Genialität eines Dude (Jeff Bridges in The Big Lebowski) entdeckt. Auch Burn After Reading wird die Fanmasse von No Country For Old Men enttäuschen. Coen-Aficionados hingegen werden ihre helle Freude haben.
Wenn man sich auf Wikipedia über Joel und Ethan Coen schlau macht, entdeckt man das Kapitel "Stylistic Devices". Gewalt sei ein wiederkehrendes Stilmittel bei den beiden Brüdern, heisst es da. Auch Missverständnisse, Geld, verschiedene Darstellungen von Amerika und eine spezielle Form des Dialogs finden in diesem Kapitel Erwähnung. Alle diese Elemente findet man auch in Burn After Reading.
Die Brüder sagten bereits in mehreren Interviews, dass die Idee zu Burn After Reading eigentlich nur entstand, weil sie ein Drehbuch schreiben wollten, in welchem George Clooney, Brad Pitt, Frances McDormand, John Malkovich und Tilda Swinton vorkommen. Dieses Skript schien ihnen so gefallen zu haben, dass aus der Denkübung ein echter Film entstand, den sie gleich im Anschluss an No Country For Old Men drehten. Die Schauspieler werden auch der Hauptgrund sein, warum Otto Normalkinogänger Interesse am neuesten Werk der Coens bekunden wird. Die Darsteller spielen ganz im Sinne des Films: Niemand weiss, was er oder sie tun soll. Dies fängt beim heimlichen Helden von Burn After Reading - John Malkovich - an. Er spielt den CIA-Veteranen Osbourne Cox, der gerne mal einen über den Durst trinkt und das loseste Mundwerk in ganz Langley Falls besitzt. Sein Fluchen wird im Werk der Coen-Brüder wohl nur noch von Jeff und Walter in The Big Lebowski übertroffen und er ist sogar noch wütender und brutaler als Ralph Fiennes in Martin McDonaghs In Bruges. Unsympathisch? Natürlich! Aber damit ist er in Burn After Reading nicht allein. Katie Cox, gespielt von Oscar-Gewinnerin Tilda Swinton, ist eine eiskalte Zicke und wohl noch die intelligenteste Figur des Films, was allerdings nicht viel heisst. Swinton spielt hervorragend und gefällt hier sogar besser als in Michael Clayton. Ihr Gegenpart aus dem Anwaltsfilm mimt hier ihren Liebhaber: George Clooney schlüpfte in die Rolle des paranoiden Sexsüchtigen Harry Pfarrer und vollendet damit seine "Idioten-Trilogie" - nach O Brother, Where Art Thou? und Intolerable Cruelty. Er trifft leider nur einmal auf seinen guten Freund Brad Pitt, der wohl die nächste Kultfigur im Coen-Universum wird. Chad Feldheimer ist ein ausgemachter Schwachkopf, der Wörter, welche ihm nicht einfallen wollen mit "Shit" ersetzt, und dem es an Selbstvertrauen nicht mangelt. Und zu guter Letzt sollte man auch noch Frances McDormand, Ehefrau von Joel Coen, nicht vergessen. Ihre Figur ist zwar unscheinbar, aber genauso intrigant und unsympathisch wie der Grossteil der anderen Akteure. Sie bringt zudem eine sehr zynische Komponente - den amerikanischen Jugendwahn - sehr gekonnt rüber. In kleineren Rollen sind überdies noch J.K. Simmons und Richard Jenkins zu sehen, die beide einige Lacher zu verbuchen haben.
Worüber man sich bei Joel und Ethan Coen selten beschweren kann, ist das Drehbuch. Auch hier haben sie ein Meisterwerk sondergleichen geschrieben. Die ganze Erpressungsgeschichte ist in gesundem Masse überzeichnet und mit sehr viel Ironie gewürzt. Burn After Reading ist ein aufgeplusterter Agentenfilm, der alles andere als ernst gemeint ist und immer mehr in Verstrickungen und Verschwörungen abdriftet. Dennoch wird auf der Leinwand nicht herumgeblödelt, sondern es wird eine überaus spannende Geschichte erzählt, welche zwar etwas Denkarbeit erfordert, sich aber als nicht übertrieben kompliziert erweist, was ein problemloses Mitkommen ermöglicht. Einmal mehr begeistern auch die meisterhaft geschriebenen Dialoge der Coens. Jeder dämliche Spruch passt perfekt zur jeweiligen Figur, jedes "Fuck" ist brillant gesetzt und fügt sich herrlich in den Erzählfluss ein.
Leider holpert der Film während der Exposition einige Minuten lang etwas, doch das ist schnell vergessen - allein schon der Score von Carter Burwell, der geschickt mit Kontrapunktierungen arbeitet, ist ein Meisterstück sondergleichen. Vielfach werden Szenen mit einer bombastischen Orchestrierung unterlegt, sodass der Zuschauer sich der Sinnlosigkeit des Moments nicht einmal voll bewusst ist - ein gelungener Seitenhieb auf überkandidelte Agentenstreifen wie beispielsweise die Bourne-Trilogie.
Auch die Kameraführung erinnert an einen Spionagefilm, vor allem die Eingangssequenz, in welcher aus dem All in das CIA-Hauptquartier hineingezoomt wird. Dem Kameramann Emmanuel Lubetzki - bekannt aus Filmen wie Ali, Hearts in Atlantis oder Children of Men - soll an dieser Stelle in aller Form gratuliert werden.
Auch wenn man dabei sehr vereinfacht, könnte man sagen, dass Joel und Ethan Coen das Pixar der Realspielfilme sind. Kaum jemals liefern die beiden Regiegenies einen Flop ab und selbst schwächere Produktionen können in einzelnen Punkten begeistern. Burn After Reading wird vielen Zuschauern nicht gefallen, weil sich diese bereits an einen ernsten Umgangston à la No Country For Old Men gewöhnt haben. Burn After Reading ist alles andere als ernst - eher im Gegenteil. Der Film ist hervorragend gemacht, aber dennoch dämlich und verrückt. Davor kann man wirklich nur den Hut ziehen.
Hellboy II: The Golden Army
4 Sterne
Mike Mignolas Comic Hellboy - erschienen bei den Dark Horse Comics, wo auch Frank Millers 300 verlegt wurde - geht im Kino in die zweite Runde. Nach dem sehr unterhaltsamen ersten Teil, dessen Story aber ziemlich abgedroschen und schwach wirkte, folgt nun der zweite Teil - erneut unter der Regie von Guillermo del Toro. Hier wurde der Inhalt völlig umgekrempelt. Das Resultat ist ein knalliger, ironischer und überkandidelter Humbug.
Wer Pan's Labyrinth gesehen hat, wird sich in Guillermo del Toros neuestem Streich häufig an den mehfachen Oscargewinner erinnern. Es wurden viele Stilelemente wiederverwendet und auch technisch erinnert Hellboy II: The Golden Army an die schaurige Fabel von 2006. Für die Academy ist die Comicverfilmung aber höchstwahrscheinlich uninteressant. Zwar überzeugt die meisterhafte Kameraarbeit von Guillermo Navarro, der für Pan's Labyrinth bereits eine Goldstatuette erhielt, und auch die Special Effects sind sehr solide gemacht, doch Comicverflimungen haben bei den Oscars sowieso immer einen schweren Stand. Ausserdem geht der neue Hellboy sang- und klanglos gegen die Marvel- und DC-Adaptionen Iron Man und The Dark Knight unter, welche die technischen Oscars nächstes Jahr wohl unter sich ausmachen dürften.
Trotzdem darf man mit Hellboy II: The Golden Army zufrieden sein. Denn der Film unterstreicht einen anhaltenden Trend in Hollywood, der als höchst positiv zu werten ist: Auch bei sogenannten "hirnlosen" Filmen, zu denen man den Grossteil der Comicverfilmungen wohl zweifelsfrei zählen darf, wird nun auf ansprechende Schauspielleistungen Wert gelegt. Robert Downey Jr. begeisterte die Massen als Tony Stark in Iron Man, Will Smith konnte in Hancock überzeugen und selbst Tobey Maguire gibt sich in den Spiderman-Filmen redlich Mühe, eine gute Leistung zu bringen. Auch der zweite Teil von Hellboy - beim ersten Teil waren die Meinungen zu den Schauspielern eher zwiespältig - schafft es, gute Darsteller zu bieten. Sogar der ansonsten etwas steife Ron Perlman verleiht der Hauptfigur viel Sympathie und kann seinen Catchphrase "Oh, crap!" auch beim zehnten Mal noch witzig vortragen. Hinzu kommt Hellboys hünenhaftes Aussehens, welches in perfekter Harmonie zu Ron Perlmans Stimme steht, und fertig ist der ideale Protagonist. Begleitet wird dieser vom Fischmenschen Abe - gespielt von Doug Jones, der auch gleich noch die Rollen von zwei weiteren Fabelwesen übernahm - der sich zum ersten Mal in seinem Leben verliebt, was die Story stellenweise etwas gar holprig macht, seiner Freundin Liz (Selma Blair), mit welcher er sich einige Male handfest streitet, und Johann Krauss, der von Family-Guy-Schöpfer Seth MacFarlane gesprochen wird und die perfekte Karikatur eines Deutschen abgibt. Wer sich im ersten Teil über Selma Blair aufgeregt hat, dürfte hier mit ihr etwas zufriedener sein, da sie ihre Kräfte nun endlich im Griff hat und einige flotte Sprüche abschiesst, anstatt nur herumzujammern. Als Antagonist hält dieses Mal Luke Goss alias Prinz Nuada den Kopf hin. Er hat viel Ähnlichkeit mit Jeremy Irons in The Time Machine und ist böse genug, um als akzeptabler Bösewicht durchzugehen. Vollendet wird der Cast durch John Hurt, der eine kleinere Szene in einer Rückblende zu spielen hat - seine Figur ist tot - und Jeffrey Tambor als hohes Tier im Geheimdienst B.P.R.D. (Bureau for Paranormal Research and Defense).
Schauspielerisch gefällt Hellboy II: The Golden Army sehr, doch leider gibt es auch einige Wehrmutstropfen zu beklagen. So scheint Guillermo del Toro aus Hellboy die falschen Lehren gezogen haben. Ihm scheint zwar aufgefallen zu sein, dass für den ultimativen Erfolg eine interessantere Story vonnöten gewsen wäre, doch er kam nicht auf die Idee, dass man die Geschichte nicht bis ins Lächerliche überzeichnen sollte. Die Story erinnert anfangs zu stark an The Lord of the Rings, was nicht jedem zusagen wird. Obowohl man durchaus Gefallen am spinnerten Drehbuch - geschrieben von Guillermo del Toro - finden könnte, wird einem die Stilisierung der Parteien Gut und Böse bald einmal zu viel. Auch der Endkampf im asiatischen Stil ist zu überkandidelt und erinnert zu stark an Kill Bill oder Crouching Tiger, Hidden Dragon. Eine weitere Schwäche des Films ist die Betonung der Liebesgeschichten. Bereits in Hellboy nervte man sich über die Liebsgeschichte zwischen Liz und Hellboy, nun stören einen die Turteltäubchen Abe und Prinzessin Nuala (Anna Walton) - die Zwillingsschwester von Nuada - die auf peinlichste Weise miteinander flirten. So muss man am Ende einsehen, dass die Figur Abe Sapien nicht dafür gemacht ist, sich zu binden. Er ist auf eine angenehme Art naseweis, er ist intelligent und hat auch seine komischen Einlagen, verliebt will man ihn aber wirklich nicht sehen.
Bei Hellboy II: The Golden Army handelt es sich um eine weitere, bedeutungslose Comicverfilmung, die aber mit einer brillanten Kameraführung, guten Schauspielern, beeindruckenden Special Effects und vielen coolen und witzigen Sprüchen zu glänzen vermag. Sucht man erzählerische Tiefe oder glaubwürdige Twists, ist man bei diesem Film an der falschen Adresse. Hellboy II: The Golden Army ist ein unterhaltsamer Actionstreifen, der sich überhaupt nicht ernst nimmt und mehrmals mit herrlicher Selbstironie auftrumpfen kann. Ausserdem lernt man, dass das Tor zwischen unserer Welt und derjenigen der Fabelwesen mitten in New York liegt. Öfter mal was Neues.
Mike Mignolas Comic Hellboy - erschienen bei den Dark Horse Comics, wo auch Frank Millers 300 verlegt wurde - geht im Kino in die zweite Runde. Nach dem sehr unterhaltsamen ersten Teil, dessen Story aber ziemlich abgedroschen und schwach wirkte, folgt nun der zweite Teil - erneut unter der Regie von Guillermo del Toro. Hier wurde der Inhalt völlig umgekrempelt. Das Resultat ist ein knalliger, ironischer und überkandidelter Humbug.
Wer Pan's Labyrinth gesehen hat, wird sich in Guillermo del Toros neuestem Streich häufig an den mehfachen Oscargewinner erinnern. Es wurden viele Stilelemente wiederverwendet und auch technisch erinnert Hellboy II: The Golden Army an die schaurige Fabel von 2006. Für die Academy ist die Comicverfilmung aber höchstwahrscheinlich uninteressant. Zwar überzeugt die meisterhafte Kameraarbeit von Guillermo Navarro, der für Pan's Labyrinth bereits eine Goldstatuette erhielt, und auch die Special Effects sind sehr solide gemacht, doch Comicverflimungen haben bei den Oscars sowieso immer einen schweren Stand. Ausserdem geht der neue Hellboy sang- und klanglos gegen die Marvel- und DC-Adaptionen Iron Man und The Dark Knight unter, welche die technischen Oscars nächstes Jahr wohl unter sich ausmachen dürften.
Trotzdem darf man mit Hellboy II: The Golden Army zufrieden sein. Denn der Film unterstreicht einen anhaltenden Trend in Hollywood, der als höchst positiv zu werten ist: Auch bei sogenannten "hirnlosen" Filmen, zu denen man den Grossteil der Comicverfilmungen wohl zweifelsfrei zählen darf, wird nun auf ansprechende Schauspielleistungen Wert gelegt. Robert Downey Jr. begeisterte die Massen als Tony Stark in Iron Man, Will Smith konnte in Hancock überzeugen und selbst Tobey Maguire gibt sich in den Spiderman-Filmen redlich Mühe, eine gute Leistung zu bringen. Auch der zweite Teil von Hellboy - beim ersten Teil waren die Meinungen zu den Schauspielern eher zwiespältig - schafft es, gute Darsteller zu bieten. Sogar der ansonsten etwas steife Ron Perlman verleiht der Hauptfigur viel Sympathie und kann seinen Catchphrase "Oh, crap!" auch beim zehnten Mal noch witzig vortragen. Hinzu kommt Hellboys hünenhaftes Aussehens, welches in perfekter Harmonie zu Ron Perlmans Stimme steht, und fertig ist der ideale Protagonist. Begleitet wird dieser vom Fischmenschen Abe - gespielt von Doug Jones, der auch gleich noch die Rollen von zwei weiteren Fabelwesen übernahm - der sich zum ersten Mal in seinem Leben verliebt, was die Story stellenweise etwas gar holprig macht, seiner Freundin Liz (Selma Blair), mit welcher er sich einige Male handfest streitet, und Johann Krauss, der von Family-Guy-Schöpfer Seth MacFarlane gesprochen wird und die perfekte Karikatur eines Deutschen abgibt. Wer sich im ersten Teil über Selma Blair aufgeregt hat, dürfte hier mit ihr etwas zufriedener sein, da sie ihre Kräfte nun endlich im Griff hat und einige flotte Sprüche abschiesst, anstatt nur herumzujammern. Als Antagonist hält dieses Mal Luke Goss alias Prinz Nuada den Kopf hin. Er hat viel Ähnlichkeit mit Jeremy Irons in The Time Machine und ist böse genug, um als akzeptabler Bösewicht durchzugehen. Vollendet wird der Cast durch John Hurt, der eine kleinere Szene in einer Rückblende zu spielen hat - seine Figur ist tot - und Jeffrey Tambor als hohes Tier im Geheimdienst B.P.R.D. (Bureau for Paranormal Research and Defense).
Schauspielerisch gefällt Hellboy II: The Golden Army sehr, doch leider gibt es auch einige Wehrmutstropfen zu beklagen. So scheint Guillermo del Toro aus Hellboy die falschen Lehren gezogen haben. Ihm scheint zwar aufgefallen zu sein, dass für den ultimativen Erfolg eine interessantere Story vonnöten gewsen wäre, doch er kam nicht auf die Idee, dass man die Geschichte nicht bis ins Lächerliche überzeichnen sollte. Die Story erinnert anfangs zu stark an The Lord of the Rings, was nicht jedem zusagen wird. Obowohl man durchaus Gefallen am spinnerten Drehbuch - geschrieben von Guillermo del Toro - finden könnte, wird einem die Stilisierung der Parteien Gut und Böse bald einmal zu viel. Auch der Endkampf im asiatischen Stil ist zu überkandidelt und erinnert zu stark an Kill Bill oder Crouching Tiger, Hidden Dragon. Eine weitere Schwäche des Films ist die Betonung der Liebesgeschichten. Bereits in Hellboy nervte man sich über die Liebsgeschichte zwischen Liz und Hellboy, nun stören einen die Turteltäubchen Abe und Prinzessin Nuala (Anna Walton) - die Zwillingsschwester von Nuada - die auf peinlichste Weise miteinander flirten. So muss man am Ende einsehen, dass die Figur Abe Sapien nicht dafür gemacht ist, sich zu binden. Er ist auf eine angenehme Art naseweis, er ist intelligent und hat auch seine komischen Einlagen, verliebt will man ihn aber wirklich nicht sehen.
Bei Hellboy II: The Golden Army handelt es sich um eine weitere, bedeutungslose Comicverfilmung, die aber mit einer brillanten Kameraführung, guten Schauspielern, beeindruckenden Special Effects und vielen coolen und witzigen Sprüchen zu glänzen vermag. Sucht man erzählerische Tiefe oder glaubwürdige Twists, ist man bei diesem Film an der falschen Adresse. Hellboy II: The Golden Army ist ein unterhaltsamer Actionstreifen, der sich überhaupt nicht ernst nimmt und mehrmals mit herrlicher Selbstironie auftrumpfen kann. Ausserdem lernt man, dass das Tor zwischen unserer Welt und derjenigen der Fabelwesen mitten in New York liegt. Öfter mal was Neues.
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