Montag, 13. August 2018

"Liebe Schweizer Verleiher..." – Teil 3


"Liebe Schweizer Verleiher..." macht auf Filme aufmerksam, die laut filmdistrubution.ch hierzulande noch keinen Verleiher gefunden haben und die es – meiner Meinung nach – verdienen würden, auf Schweizer Leinwänden gezeigt zu werden. An die Arbeit, Schweizer Verleiher!

Teil 1

Teil 2




Eighth Grade

Seien wir realistisch: Weder Stand-Up-Comedy-Kultur noch amerikanische YouTube-Stars sind hierzulande garantierte Publikumsmagneten. Deshalb wird es wohl hauptsächlich von den Zahlen an den US-Kinokassen abhängen, ob Eighth Grade – das Regiedebüt des YouTubers und Stand-Up-Comedians Bo Burnham – in der Schweiz starten wird.

Ein Verleiher hat sich bislang noch nicht gefunden, doch es steht zu hoffen, dass dies nur noch eine Frage der Zeit ist. Produziert wurde der Film vom Studio A24, das sich in den letzten Jahren als Coming-of-Age-Erfolgsschmiede schlechthin profiliert hat (Moonlight, 20th Century Women, The Florida Project, Lady Bird). Als der Sundance-Kandidat am 13. Juli in gerade einmal vier US-Kinosälen startete, vollbrachte er Grosses: Im Laufe eines Wochenendes spielte er über 250'000 Dollar ein und wurde somit zum Film mit dem höchsten Umsatz pro Leinwand im laufenden Jahr.

Eighth Grade handelt, wie der Titel schon sagt, vom Leben in der achten Klasse. Für Kayla (Elsie Fisher) läuft die letzte Woche der Mittelstufe; nach den Sommerferien wartet die sagenumwobene High School auf sie. Burnham, von dem auch das Drehbuch stammt, lotet das emotionale Terrain dieser schwierigen, prägenden Übergangszeit aus – und das mit Erfolg, wenn man den begeisterten Kritiken Glauben schenken mag.

Skeptiker könnten den etwas übersättigten Coming-of-Age-Fim-Markt als Argument gegen einen Schweizer Start von Eighth Grade ins Feld führen. Doch wenn die hiesigen Verleiher die Grenze ausgerechnet bei einem der grossen Indie-Hits des Sommers ziehen, dann darf man sich auch nicht wundern, wenn die Kinos leer bleiben.



Sorry to Bother You

Am 4. August tweetete der Rapper und Filmemacher Boots Riley: "re: the international distribution of #SorryToBotherYou: Even tho we'r outperforming a gang of other movies, distributors r claiming 'Black movies' dont do well internationally and r treating it as such. There'r films that bombed here, that theyr distributing. Let em know wsup".

Gewisse Filme können auf einen internationalen Vertrieb zählen – ob sie in den USA nun Erfolg hatten oder nicht. Andere hingegen – wie etwa Rileys Regiedebüt Sorry to Bother You – müssen um jede Übersee-Leinwand kämpfen, gerade wenn es sich dabei um angebliche "Nischen"-Produkte handelt. Diese Logik ist leider auch der Schweizer Kinolandschaft nicht fremd: Man denke an Ava DuVernay, deren Schaffen der Schweiz bis Selma (2014), ihrem dritten Spielfilm, vorenthalten wurde. I Will Follow (2010) und Middle of Nowhere (2012) sind bis heute auf legalem Wege kaum auffindbar. Und der Kinostart ihres Disney-Blockbuster A Wrinkle in Time (2018) wurde vom vorhandenen Verleiher kurzfristig gestrichen.

In diesem Klima werden es auch Boots Riley und Sorry to Bother You nicht einfach haben, zumal es sich dabei um eine absurde schwarze Komödie handelt, welche bereits die amerikanischen Zuschauer spaltete. In der Hauptrolle ist Atlanta-Darsteller Lakeith Stanfield zu sehen, der als Telefonverkäufer ungeahnt erfolgreich ist – weil er mit einer perfekten "weissen" Stimme sprechen kann.

Möglicherweise wartet die Schweizer Verleiherszene noch auf die Box-Office-Zahlen von Spike Lees BlacKkKlansman, bevor sie sich für oder gegen Sorry to Bother You entscheidet. Daran sollte es aber nicht hängen: Riley hat zeitgenössisches Satirekino gemacht, das auch in der Schweiz gesehen werden sollte (und will).



Crazy Rich Asians

Es ist die erste Hollywoodproduktion mit asiatischen und asiatischstämmigen Hauptakteuren in einem Vierteljahrhundert – seit Wayne Wangs The Joy Luck Club (1993). Anders als Eighth Grade und Sorry to Bother You hat die Romanadaption Crazy Rich Asians von Jon M. Chu (Step Up 2: The Streets, Justin Bieber: Never Say Never, Now You See Me 2) bereits einen Schweizer Verleiher – Warner Bros. sei Dank –, aber noch kein Startdatum. Erwähnt wird Chus romantische Komödie hier, damit ihr nicht dasselbe Schicksal wie Ava DuVernays A Wrinkle in Time widerfährt.

Der Film erzählt vom Aufeinanderprallen zweier Kulturen aus einer Perspektive, die man gerade in Kontinentaleuropa selten zu Gesicht bekommt: Die Wirtschaftsprofessorin Rachel (Constance Wu) begleitet ihren Freund Nick (Henry Golding) nach Singapur zur Hochzeit seines besten Freundes, wo sich die eingefleischte sinoamerikanische New Yorkerin plötzlich mit Nicks schwerreichem Bekanntenkreis aus Südostasien konfrontiert sieht.

Crazy Rich Asians leistet essenzielle Repräsentierungsarbeit, die auch im Einwanderungsland Schweiz äusserst willkommen ist. Darüber hinaus ist Chu laut ersten Kritikerstimmen auch eine ungemein unterhaltsame Sommerkomödie gelungen, in der er einmal mehr seine Qualitäten als Choreograf unter Beweis stellen darf. Wie schade, wenn es hierzulande auch bei diesem Film lediglich beim Beinahe-Start bleiben würde.

Kommentare:

  1. uuugh Alan, you LITERALLY speak from my heart - these were the films I was most upset at not seeing in the cinema release schedules for this year #sadface! And by jove, they literally hosted a highly successful reading of Crazy Rich Asians, the book. It cannot be that far fetched that _some_ of us are here for this :'))

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    1. Good news on the CRA front: apparently, it's scheduled for 30 August. However, a lot of the material seems to be D only. Whether we'll a get an Edf version remains to be seen...

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