Tuesday, 1 December 2015

Shaun the Sheep Movie

Neben den Animations-Giganten Disney, Pixar, DreamWorks und Ghibli sowie den kleineren Trickfilm-Schmieden Fox, Laika und Illumination besteht stets die Gefahr, die britischen Aardman Studios zu vergessen, die seit den 1970er Jahren verlässlich für beste Plastilin-Stop-Motion-Unterhaltung sorgen.

Der CGI-Boom, der es kleineren Produktionsfirmen zunehmend leichter macht, mit vergleichsweise wenig Budget grosse Erfolge zu feiern, ist auch an den Machern von Wallace und Gromit nicht spurlos vorüber gegangen: Die Einnahmen ihrer in mühsamster Kleinarbeit hergestellten Langspielfilme sind seit ihrem Debüt im Jahr 2000 stetig zurückgegangen. Nachdem Chicken Run damals mit einem Einspielergebnis von 225 Millionen Dollar einen Rekord für Stop-Motion-Filme aufstellte, hat Aardmans neuestes Projekt – nach Wallace & Gromit: The Curse of the Were-Rabbit (2005, 193 Millionen), Flushed Away (2006, 178 Millionen), Arthur Christmas (2011, 147 Millionen) und The Pirates! In an Adventure with Scientists! (2012, 123 Millionen) –, Shaun the Sheep Movie, nur noch äusserst knapp einen dreistelligen Millionenbetrag erreicht – nicht viel mehr als Kleingeld im hart umkämpften Milliardengeschäft Animationsfilm.

Das überrascht, gehört doch "Shaun das Schaf", welches 1995 im Wallace and Gromit-Kurzfilm A Close Shave erstmals auftrat und seit 2007 Held einer eigenen TV-Serie ist, zu den beliebtesten Figuren im britischen Kinderfernsehen. Und sein Charme überträgt sich auch auf die Kinoleinwand: Shaun the Sheep Movie gehört zusammen mit Pixars Inside Out und Disneys Big Hero 6 zu den besten Trickfilmen des Jahres.

Shaun bleibt sich treu: Auch im Spielfilmformat verzichtet Aardman – selbst unter den menschlichen Figuren – auf jedwede Dialoge und vertraut auf die universell verstandene Slapstick-Komödie, wie man sie nicht nur aus dem Stummfilm, sondern auch aus den Abenteuern von Wallace und Gromit kennt. Entsprechend hält Shaun the Sheep Movie weniger eine aufwändig erzählte Geschichte als eine 85-minütige Reihe von komödiantischen Steilvorlagen bereit. Diese spielen sich vor einer denkbar simplen Prämisse ab: Shaun und seinen Schaf-Freunden hängt die ewige Farm-Routine zum Hals heraus, weshalb sie ihrem Bauern kurzerhand einen freien Tag verordnen. Doch eine unglückliche Verkettung von Zufällen führt dazu, dass sich der Wohnwagen, in den sie ihn verfrachtet haben, selbstständig macht und schnurstracks in die nahe gelegene Grossstadt rollt. Shaun, geplagt von schlechtem Gewissen, eilt dem Wagen hinterher, gefolgt von den anderen Schafen, die im Asphaltdschungel reihum für Chaos sorgen.

Shaun das Schaf berät mit seinen Freunden darüber, wie sie ihren Bauern von der grossen Stadt wieder zurück zum heimischen Hof befördern können.
© Impuls Pictures AG
Daraus entwickelt das Regie- und Autoren-Duo Mark Burton und Richard Starzak einen Film, der die Etikette "Spass für die ganze Familie" redlich verdient. Während sich im Vordergrund Shaun, Meryl, der kleine Timmy (aus Tarnungsgründen zu einem Rucksack umfunktioniert) und dessen Mutter tummeln und so die – lobenswert multikulturell dargestellte – Stadtbevölkerung auf höchst unterhaltsame Art und Weise verwirren, verstecken sich im Hintergrund, sozusagen als jugendfreier Bonus für das erwachsene Publikum, allerlei Witze und Anspielungen in Form von Schildern und Aufschriften. Sie erweisen sich zweifellos als die bessere diesbezügliche Option als die Verbindung zwischen suggestiver Musik und der Liebe eines Hofhundes zu seinen Knochen.

So vergeht Shaun the Sheep Movie denn auch wie im Fluge. Zwar ergeben sich Burton und Starzak schlussendlich auch dem Kinderfilm-Topos des actionreichen Kampfes gegen den Bösewicht – die zweite Hälfte von Illuminations Minions lässt grüssen –, doch auch dieser hält sich im überschaubaren Rahmen und zeugt, angesichts der verwendeten Stop-Motion-Technik, von beeindruckender Kunstfertigkeit. Selbst wenn der Film nicht ganz die Höhen von Aardman-Produktionen wie Chicken Run, Wallace and Gromit oder The Pirates! erreicht – Shauns Grand Day Out überzeugt.

★★★★½

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